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"Mit Vorsicht zu genießen"

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Berlin | In den Genuss einer ungeschmälerten gesetzlichen Rente kommen immer weniger Bundesbürger: 2010 stieg der Anteil der Neurentner, die eine Rente mit Abschlägen bezogen, auf 47,5 Prozent. Sozialverbände und Gewerkschaften sehen ihre These untermauert, dass die Rente mit 67, die ab Januar schrittweise startet, zum Rentenkürzungsprogramm wird - immer weniger gelingt es schließlich bereits jetzt, "nur" bis 65 Jahre zu arbeiten. Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnt jedoch vor einem Trugschluss. "Mit Vorsicht zu genießen", seien die Zahlen, erklärte ein Sprecher gestern. Die Korrektheit der Zahlen der Rentenversicherung steht zwar außer Zweifel, doch die Interpretation ist strittig.

Knapp 674 000 Menschen bekamen 2010 erstmals Altersrente. Knapp 320 000 - 47,5 Prozent von allen - mussten Abschläge in Kauf nehmen. Die Abschläge betragen 0,3 Prozent des Rentenanspruchs für jeden Monat, den Beschäftigte früher als mit 65 Jahren in Rente gehen. Fünf Jahre zuvor waren nur 42,5 Prozent der Rentner betroffen, im Jahr 2000 nur 14,5 Prozent. Die Rente eines Versicherten, der 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und die entsprechenden Rentenbeiträge eingezahlt hat erhält derzeit eine Monatesrente von 1236 Euro. Die Abschläge lagen im Jahr 2010 bei durchschnittlich 113 Euro - 80 Euro mehr als noch zu Beginn des Jahrzehnts. Doch sind die Daten tatsächlich ein Zeichen dafür, dass Ältere zunehmend aus dem Job gedrängt werden? Im Bundesarbeitsministerium wird die Statistik so nicht interpretiert. Auffällig sei, dass der Zuwachs der Frührenten allein auf Frauen zurückzuführen sei: 2005 hätten nur 140 000 Frauen, die in Rente gingen, eine Frührente bezogen, 2010 jedoch 185 000 der Neurentner. Die Anzahl der Männer, die eine Rente mit Abschlägen hinnehmen, sei im gleichen Zeitraum von 178 000 auf 134 000 zurückgegangen. Oft sei keineswegs Arbeitslosigkeit, sondern eine freiwillige Entscheidung der Grund: Wenn das Haus abbezahlt und zusätzliche private Altersvorsorge vorhanden sei, gehe die finanzielle Kalkulation für den Lebensabend auch mit Rentenabschlägen auf - zumal bei Paaren.

Das Renteneintrittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Im Jahr 2010 lag es bei 63,5 Jahren, zehn Jahre zuvor bei 62,3 Jahren. Ab Januar 2012 beginnt die schrittweise Einführung der Rente mit 67, zunächst mit einer um einen Monat verlängerten Lebensarbeitszeit.

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erstellt am 29.Dez.2011 | 07:46 Uhr

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