Ministerium verschläft Fachkräftemangel

<strong>Die Unternehmen in MV </strong>wollen in diesem Jahr mehr Mitarbeiter einstellen als entlassen.<foto>dpa</foto>
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Die Unternehmen in MV wollen in diesem Jahr mehr Mitarbeiter einstellen als entlassen.dpa

svz.de von
09. Januar 2013, 10:27 Uhr

Schwerin | Die Mehrzahl der Unternehmen in MV geht mit guten Aussichten ins neue Jahr. Die Auftragsbücher sind reichlich gefüllt. Es gibt oft einen Auftragsvorlauf von einem halben Jahr. Firmen in MV wollen im nächsten Jahr mehr Arbeitnehmer einstellen als entlassen. Das geht aus der traditionellen Umfrage der Vereinigung der Unternehmensverbände hervor, die 4000 Firmen im Land vertritt. "Die Wirtschaft in MV geht positiver ins neue Jahr als die deutsche Wirtschaft", sagte Verbandspräsident Hans Dieter Bremer gestern vor der Landespressekonferenz. Grund sei die mittelständische Unternehmensstruktur, die von Eurokrise und Kreditklemme weniger betroffen sei. Gut ein Viertel der Unternehmen wollen 2013 investieren. Einzig die Bauwirtschaft erwartet einen niedrigeren Umsatz als noch 2012, weil die öffentliche Hand weniger investiere.

Der Chef der Unternehmensverbände geht 2013 von einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent aus. Die fünf Wirtschaftsweisen hatten für die gesamtdeutsche Wirtschaft ein Wachstum von 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes prognostiziert. In MV wuchs die Wirtschaft 2012 um 1,3 Prozent.

Heftige Kritik an der Landesregierung gab es hingegen beim Vorgehen gegen den Fachkräftemangel. Im Januar letzten Jahres seien zwischen Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften 112 Maßnahmen vereinbart worden, wie man dem wachsenden Fachkräftemangel begegnen wolle. In einem wichtigen Punkt, dem Übergangssystem von Schule zu Beruf "ist praktisch noch nichts passiert", so Lothar Wilken, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Vereinigung der Unternehmensverbände. Drei Ministerien, Wirtschaft, Arbeit und Bildung, agieren "unkoordiniert und unsystematisch", kritisieren die Unternehmensvertreter. Wilken: "Wir können nicht erkennen, wer hier die Federführung hat." Viele Aktionen gegen den Fachkräftemangel beim Übergang von der Schule zur Berufsschule laufen nach Ansicht der Kritiker aneinander vorbei: die Gelder für Berufsfrühorientierung, Unternehmenspraktika, Beratereinsätze der Bundesagentur für Arbeit, das Schulfördersystem und vieles mehr. Lothar Wilken nennt ein Beispiel: "Die Schulsozialarbeiter sind an den Schulen tätig. Aber verantwortlich für die Schulsozialarbeit und deren Einsatzplanung sind die Träger der Jugendarbeit. Die Schulsozialarbeiter sind nicht Bestandteil des Systems Schule."

Seit Jahren kritisieren Unternehmer eine schlechter werdende Eignung der Schüler für die Berufsausbildung. 24 Prozent der Auszubildenden brechen in MV ihre Lehre ab. Im vergangenen Jahr fanden die Unternehmen im Land für 1300 der 10 700 Ausbildungsplätze keinen passenden Bewerber.

Aus dem federführenden Bildungsministerium hieß es gestern: "Am Gesamtkonzept Schule-Beruf wird gearbeitet." Nach Informationen unserer Zeitung sollen in dieser Woche erste Konsultationen zwischen den Ministerien und der Bundesagentur für Arbeit stattfinden.

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