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Wirtschaft : Mindestlohn treibt die Preise

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Steigerungen bis 30 Prozent geplant / DGB wirft Wirtschaft taktisches Wehklagen vor

Brot, Kuchen, Obst, Gemüse, Restaurantbesuche, Hotelübernachtungen, Taxifahrten: Ab 2015 wird es teuer. Die Einführung eines Mindest-Stundenlohns von 8,50 Euro nutzt die Wirtschaft für deutliche Preiserhöhungen. Es werde zu einer „Preisexplosion“ im Ernährungsgewerbe kommen, befürchtet Thomas Müller, Landesinnungsmeister des Bäckerhandwerks in MV. Bis zehn Prozent höhere Preise: Damit würde der Lohnzuwachs aufgezehrt. Müller: „Die großen Verlierer werden wir alle sein.“

Auch für Obst und Gemüse müssen Verbraucher mehr bezahlen – je nach Anbauregion bis zu 30 Prozent, erwarten Agrarverbände. Die Margen seien nicht ausreichend, die Kostenerhöhungen abzufedern, erklärte Klaus Wilke, Chef der Erzeugergemeinschaft Mecklenburger Ernte. Die Branche müsse mehreren Tausend Saisonkräften Mindestlöhne zahlen. Da seien höhere Preise „unausweichlich“. Auch in Hotels, Gaststätten und im Taxi: Die steigende Löhne müssten umgelegt werden, sagte Matthias Dettmann, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes MV: Je nach Haus „werden die Preise steigen“. Allerdings hoffe die Branche noch auf einen bundesweiten Tarifvertrag, der eine stufenweise Erhöhung auf 8,50 Euro bis Ende 2016 zulasse. Neue Tarife bereiten auch die Taxiunternehmen vor: Je nach Regionen werde es zu Angleichungen kommen, so Frank Semler, Vorstand des Landesverbandes des Taxigewerbes – je nach Tarifstruktur Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich.

Die Preissteigerungswelle sorgt bei den Gewerkschaften für Kritik: Taktisches Wehklagen, meinte Ingo Schlüter, Vize-Landeschef des DGB Nord, angesichts der Debatte um die Einführung des Mindestlohns. Die Arbeitskosten machten nur einen Teil der Gesamtkosten aus. Daher sei es fraglich, ob die Preissteigerungen gerechtfertigt seien. Schlüter: „Geschäftsmodelle, die auf Schmutzkonkurrenz und darauf basieren, dass Menschen von Vollzeitjobs nicht leben können und die Steuerzahler in die Haftung nehmen, haben mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun.“ Unternehmen, die wegen Mindestlöhnen über Preise nachdenken würden, seien häufig diejenigen gewesen, die „anständigen Unternehmen das Leben schwer gemacht haben und für Wettbewerbsverzerrungen sorgten“. Der DGB hat den morgigen Tag der Arbeit unter das Motto „Gute Arbeit. Soziales Europa“ gestellt.

  Torsten Roth Seite 3

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erstellt am 30.Apr.2014 | 07:55 Uhr

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