Die Folgen des Mindestlohns : Mindestlohn im Fast-Food-Land

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Mehrbetrag für Systemgastronomie in dreistelliger Millionenhöhe möglich

svz.de von
15. Dezember 2014, 20:28 Uhr

Für die Zeit bis zum Mindestlohn hat sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) etwas Besonderes einfallen lassen – im Internet läuft ein Countdown. Tage, Stunden, Minuten und Sekunden werden heruntergezählt, bis allen Arbeitnehmern im Land 8,50 Euro bezahlt werden müssen – auch in der Systemgastronomie, einer Branche, die in der Vergangenheit oft um ihr Image zu kämpfen hatte. 7,71 Euro wurden bislang im Westen gezahlt, 7,06 im Osten – hinzu kamen verschiedene Zuschläge, unter anderem für Nacht- und Feiertagsarbeit. Derzeit verhandeln Gewerkschaft NGG und der Bundesverband Systemgas-tronomie. Entsprechend bedeckt geben sich beide Seiten auf Anfragen zum Thema Mindestlohn und Tarifpolitik.

Valerie Holsboer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Systemgastronomie (BdS), zufolge habe die Systemgastronomie auch immer eine soziale Aufgabe erfüllt. Die letzten Angebote des Verbands an Arbeitnehmervertreter sahen Einstiegsgehälter oberhalb des Mindestlohns vor. Die NGG lehnte ab, warnte vor einer Mogelpackung. Der BdS soll Zuschläge wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld eingekürzt haben. Der Grund dafür ist einfach: In die Berechnung des gesetzlichen Mindestlohns finden solche Zahlungen keinen Eingang.

Holsboer kritisiert vor allem, dass mit dem Mindestlohn alle über einen Kamm geschoren werden. „Wir haben immer zwingende Tarifbindung gehabt“, sagt Holsboer. Sie sieht durch den Mindestlohn daher auch die Bemühungen des Verbands – der von 2007 mit drei auf heute 15 Marken gewachsen ist – torpediert. Mehr als 700 Einzelunternehmen sind in dem Verband organisiert mit mehr als 100  000 Beschäftigten – von McDonalds über Burger King bis hin zur großen US-Kaffeehaus-Kette Starbucks. Sie alle bezahlen, was NGG und BdS in der Vergangenheit ausgehandelt haben.

Rechnerisch läuft der Mindestlohn in Deutschlands Fast-Food-Landschaft auf einen Mehrbetrag in dreistelliger Millionenhöhe hinaus. Geld, das die Burger-Brater zwischen dänischer Grenze und München zusätzlich erwirtschaften müssen.

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