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Waldtausch : Millionendeal stockt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wald ein Jahr nach Beschluss noch nicht an Rethmann übertragen / Forstanstalt lehnt großen Flächentausch ab

svz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 08:02 Uhr

Das bisher größte Waldgeschäft in MV gerät ins Stocken: Der vor einem Jahr vom Landtag beschlossene Tausch hunderter Hektar wertvollen Mischwaldes des Landes mit einem minderwertigeren Kiefernwald der Milliardärsfamilie Rethmann ist noch immer nicht vollzogen. Der umstrittene Flächentausch werde noch beim Amt für Landwirtschaft Vorpommern geprüft. Für dieses Jahr werde eine Entscheidung erwartet, sagte der Chef der Landesforstanstalt, Sven Blomeyer. Solange erfolge in den betreffenden Wäldern eine Notbewirtschaftung. Nur Waldschäden würden beseitigt.

Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU hatten im Mai 2013 gegen den Widerstand der Opposition und massiver Kritik von Forstexperten die Flächenübertragung beschlossen. Danach bekommt Rethmann 426 Hektar wertvollen Mischwald in der Nähe seines Familienbesitzes im Altkreis Sternberg übertragen. Das Land soll dafür 609 Hektar minderwertigeren Kiefernwald in Vorpommern erhalten. Möglicherweise zum Nachteil für das Land: Während ein von Rethmann bezahltes Gutachten von einem wertgleichen Flächentausch ausging, kam eine Analyse des renommierten Waldplaners Holger Weinauge aus Serrahn zu dem Schluss, dass das Land in den kommenden zehn Jahren mit Erlösausfälle von bis zu 2,8 Millionen Euro rechnen muss. Der Wald in Dabel sei zum Nachteil des Landes unterbewertet worden, hieß es.

Der von Rot-Schwarz beschlossene Flächendeal mit Rethmann (geschätztes Familienvermögen: sechs Milliarden Euro, etwa 7000 Hektar Acker-, Grünland und Wald in MV) verwundert noch immer. Der zweite derartige Fall in MV: Bereits 2005 hatte das Land ein ähnliches Tauschgeschäft mit der Unternehmerfamilie Weber (geschätzter Jahresumsatz 140 Millionen Euro) abgeschlossen. Der Manager aus Hessen, der sein Geld mit Maschinenbau u. a. in Neubrandenburg macht, erhielt im Tausch gegen andere Flächen vom Land 437 Hektar Wald in der Nähe seines Land- und Forstgutes Zachow und des Gestütes Schlossberg im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Wert: 5,7 Millionen Euro.

Damit soll aus Sicht der Forstleute Schluss sein: „Die Forstanstalt tauscht keine größeren Flächen, nur weil die Flächen zum übrigen Besitz passen“, kündigte Blomeyer an. Mögliche Anträge großer Waldbesitzer würden negativ entschieden. Bei Bedarf würden künftig nur noch „Kleinstflächen zur Arrondierung“ getauscht, sagte Blomeyer. Der Forstanstalt sei daran gelegen, den Landeswald langfristig zu bewirtschaften. Nach dem vom Landtag beschlossenen Rethmann-Geschäft seien allerdings keine weiteren Flächentauschanträge eingegangen.

 

 

 

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