Wirtschaft MV : Millionen-Verluste im Russland-Geschäft

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) mit einer Matroschka, die er in St. Petersburg als Gastgeschenk überreicht bekam.
Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) mit einer Matroschka, die er in St. Petersburg als Gastgeschenk überreicht bekam.

Krise erreicht MV: Landesregierung sieht eine kritische Lage in der maritimem und der Ernährungswirtschaft.

svz.de von
10. April 2015, 21:00 Uhr

Der Russland-Konflikt hat die Wirtschaft in MV erreicht: Die durch die Ukraine-Krise 2014 verhängten Handelssanktionen gegen das Putin-Reich und das Einfuhrverbot für europäische Waren nach Russland haben die Unternehmen zwischen Boizenburg und Pasewalk im Jahr 2014 mit Millionen-Ausfällen bezahlt. Einzelne Firmen hätten „zum Teil erhebliche Einbrüche in ihrem Russlandgeschäft“ zu verzeichnen, teilte die Landesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage von Linken-Fraktionschef Helmut Holter mit. Danach brechen vor allem in der Ernährungswirtschaft Exportgeschäfte weg. Die Ausfuhren nach Russland gingen 2014 im Vergleich zum Vorjahr um elf Millionen Euro zurück – nur noch 80 statt 91 Millionen Euro. Inzwischen machen auch russische Touristen um MV einen Bogen: Knapp zehn Prozent weniger Ankünfte, fast 20 Prozent weniger Übernachtungen russischer Gäste melden Hotels und Pensionen. In der gewerblichen Wirtschaft bliebt das Exportgeschäft bislang nahezu konstant – 160 Millionen Euro brachte es in die Kasse heimischer Firmen, eine Million weniger als 2013. Durch die Handelskontakte der Vergangenheit sei MV von der „aktuellen Lage“ besonders betroffen, vor allem in der maritimen Wirtschaft und der Ernährungswirtschaft sei die Lage „kritisch“, gesteht die Außenwirtschaftsabteilung der Staatskanzlei jetzt erstmals ein. Für Hilfsprogramme sieht die Landesregierung aber keinen Anlass: Bislang seien „keine konkreten Unterstützungsanfragen“ gestellt worden, teilte Staatskanzleichef Christian Frenzel mit. Die Landesregierung setzt auf Verhandlung: Wie mit dem Russland-Tag 2014 solle auch eine für Juni geplante Delegationsreise von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach St. Petersburg dafür sorgen, dass die Handelsbeziehungen mit Russland ausgebaut werden können.

Das reicht der Opposition im Landtag nicht: „Fahrlässiges“ Verhalten, bewertet Linken-Fraktionschef Holter die Abwartestrategie Sellerings: „Anstatt mit den betroffenen Unternehmen ins Gespräch zu kommen, um über mögliche Unterstützung zu beraten, wartet die Landesregierung ab, dass konkrete Unterstützungsanfragen auflaufen.“ Das sei ein „weiteres Beispiel dafür, dass die Landesregierung lediglich auf Sicht fährt“.

Auf die etwa 100 Unternehmen aus MV im Russlandgeschäft kommen möglicherweise noch härtere Zeiten zu: Die Außenwirtschaftler der Staatskanzlei rechnen mit einem weiteren Rückgang der Russland-Exporte der Ernährungswirtschaft. Sollten die Sanktionen langfristig bestehen bleiben, müsse auch die maritime Industrie mit Problemen rechnen.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen