Wohnkosten : Mietanstieg auf breiter Front gestoppt

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Aber: Gesetzes-Debatte befeuert Kostensteigerung in städtischen Ballungsräumen / Anstieg in Rostock um 11 Prozent

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14. November 2014, 11:26 Uhr

Kostensteigerung im Mietshaus: Die Debatte um die Einführung einer Mietpreisbremse treibt die Wohnkosten hoch. Vor allem in städtischen Ballungsräumen sei der Anstieg künstlich befeuert worden, geht aus einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervor – unter anderem in Hamburg, Mainz, Jena, Freiburg, Regensburg, aber auch in Darmstadt, Köln und Heidelberg. Danach seien die Mieten „zeitlich parallel zu den politischen Ankündigungen bezüglich einer Mietpreisbremse“ in elf untersuchten Städten teilweise deutlich angestiegen – auch in Rostock. Dies spreche dafür, dass die Vermieter, so lange sie noch könnten, „vorsorglich“ handelten, um den möglichen Folgen eines solchen Gesetzes zu begegnen. Rein rechnerisch, so ermittelte RegioKontext, müssten Haushalte im Jahr bis zu 1671 Euro mehr für ihre Kaltmiete ausgeben als mit wirksamer Mietpreisbremse.

Teureres Wohnen an der Küste: Der Analyse zufolge sind in Rostock seit Mitte 2013 die so genannten Wiedervermietungsmieten um 11,3 Prozent gestiegen – ein möglicher Hinweis darauf, dass mit der Debatte um eine Mietpreisbremse in Rostock die Mieten deutlich gestiegen seien, erklärte Arnt von Bodelschwingh vom privaten Forschungs- und Beratungsinstitut RegioKontext, das die Studie erarbeitet hat. Danach verlangen Vermieter in der Hansestadt derzeit im Schnitt 6,40 Euro je Quadratmeter netto kalt für eine Bestandswohnung. Damit liegt Rostock allerdings noch immer deutlich unter dem Bundesschnitt, den RegioKontext je Quadratmeter zwischen neun und zehn Euro ansetzt.

Deutlich gestiegene Mieten – Immobilienmakler sehen indes keinen Zusammenhang zur Gesetzesdebatte. Das sei nicht erkennbar, erklärte Peter-Georg Wagner vom Immobilienverband Nord (IVD). Vielmehr habe die starke Nachfrage zu Erhöhungen geführt, sagte IVD-Experte Jürgen Sattler aus Rostock, der die Pläne zur Einführung einer Mietpreisbremse kritisierte: „Man kann den Markt per Gesetz nicht einfach außer Kraft setzen.“

Kaum Kostensteigerungen hingegen in Schwerin: Es habe zwar in den vergangenen Monaten mehr Mieterhöhungen als in den vergangenen Jahren gegeben, sagte Jürgen Fischer, Chef des Mieterbundes Schwerin. Die Steigerungsrate von etwa einem Prozent sei aber noch unter der Inflationsrate geblieben. Nachgefragt seien vor allem Wohnungen in den Innenstädten.

Die Branche sieht sich indes bestätigt: Ein Mietanstieg auf breiter Front sei gestoppt, ermittelte der Immobilienverband IVD. Die Kosten für Wohnungen in Deutschland seien in den vergangenen Monaten „weniger dynamisch angestiegen als in den Jahren zuvor“. Bundesweit werde derzeit eine Quadratmetermiete von 5,78 Euro verlangt – 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. In Großstädten wie Düsseldorf, Frankfurt am Main, Dresden und Bonn seien die Mieten gar nicht gestiegen. Selbst in München mit Quadratmeterpreisen von zwölf Euro für Wohnungen mit mittlerem Wohnwert Deutschlands teuerstes Pflaster, werde nur 0,8 Prozent mehr verlangt als ein Jahr zuvor. Im vergangenen Jahr hatte der Anstieg noch bei drei Prozent gelegen. Regulierungen des Marktes durch den Staat seien nicht notwendig, da der Anstieg der Mieten bereits vor Einführung der Mietpreisbremse zurückgehe, erklärte IVD- Vizepräsident Michael Schick.


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