Protest auch in Rostock : Meyer-Sitz in Luxemburg

Sorge um den Job: Die Umzugspläne verunsichern die Meyer-Beschäftigten.
Sorge um den Job: Die Umzugspläne verunsichern die Meyer-Beschäftigten.

Werft will Standort der Muttergesellschaft verlegen / Ringen um Lösung / Einigung bis September

von
17. August 2015, 08:00 Uhr

Zwischen dem Land Niedersachsen und dem Papenburger Kreuzfahrtsschiffbauer Meyer Werft schwelt ein Streit: Die Ankündigung, die zentrale Holding für die drei Werftstandorte von Rostock nach Luxemburg zu verlegen, hatte Ende Juni für große Proteste des Betriebsrats, der IG Metall und der Landesregierung gesorgt. Im Raum stehen Vorwürfe, die Werft wolle Steuern sparen oder langfristig Arbeitsplätze in Niedersachsen abbauen – was das Unternehmen bestreitet. Bis September wollen sich die Beteiligten auf eine Lösung einigen - wie ein Kompromiss aussehen kann, ist allerdings schwer auszumachen.

Die niedersächsische Landesregierung und die Arbeitnehmer reagierten äußerst verärgert, weil bislang die Werft alle Entscheidungen im Konsens mit Politik und der Gewerkschaft getroffen hat.

Die Werft war auch immer auf die Rückendeckung der Politik angewiesen, weil sie in Papenburg 40 Kilometer im Landesinneren liegt. Die Vertiefungen und Ausbaggerungen der Ems sind aus ökologischen Gründen höchst umstritten. Auch das Emssperrwerk hat bislang öfter den Schiffsüberführungen gedient als dem Hochwasserschutz. Aber die Werft in Papenburg ist mit derzeit 3300 Beschäftigten einer der wichtigsten Arbeitgeber im strukturschwachen Emsland und Ostfriesland. Nach Angaben der IHK Ostfriesland-Papenburg in Emden sichert die Werft in den Landkreisen Emsland und Leer über 6000 Arbeitsplätze, auf der Werft und bei Zulieferern.

Was ist das Motiv für die Werft, nach Luxemburg zu gehen? Nach dem Kauf einer Werft im finnischen Turku ist das Unternehmen so groß, dass nach deutschem Recht die Einrichtung eines Aufsichtsrats unumgänglich ist.

Das will das Unternehmen verhindern. Schnell und flexibel entscheiden zu können lasse ein Aufsichtsrat nicht zu, hatte die Werft im Juni argumentiert. Außerdem soll in Luxemburg ein Büro für den zentralen Einkauf für alle drei Werften eingerichtet werden.

Die Betriebsräte der Werften in Papenburg und Rostock und die IG Metall haben geprüft, ob nicht doch noch ein Aufsichtsrat in Deutschland gegründet werden könnte. Laut einem Gutachten sei es jetzt dafür zu spät, weil der Unternehmenssitz bereits in Luxemburg ist, so ein Gewerkschaftssprecher.

Luxemburg gilt als Steuersparoase, doch Werftchef Bernard Meyer hat bislang immer bestritten, dass es ums Steuersparen geht. Die Steuern sollen wie bislang an den Standorten der Werften bezahlt werden, also Papenburg Rostock und das finnische Turku, wo Meyer im vergangenen Jahr eine Werft übernommen hat. Ein im Auftrag der Werft erstelltes Gutachten bestätigt, dass die Werft keine Steuern durch die Verlagerung der Konzernverwaltung sparen würde. Die Landesregierung hat zu dieser Frage ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben.

Die Werft hat für den Standort Papenburg mit dem Land, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft im Januar einen Standortsicherungsvertrag unterschrieben. Darin hat sich die Werft verpflichtet, bis 2030 3100 Arbeitsplätze zu sichern.

Laut Meyer-Chef Bernard Meyer herrscht in Papenburg dank der Auftragslage bis 2020 Vollbeschäftigung. Das Unternehmen stehe zu den Standorten Papenburg und Rostock.

Meyer hat bereits eine Firma in Luxemburg gegründet, die als Firmenholding dienen soll.

Aber bei einem Krisengespräch Anfang Juli verständigten sich Meyer, Betriebsrat, IG Metall und Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies darauf, dass bis zum Herbst diese Unternehmensmutter nicht aktiv wird. Bis September wollen alle Seiten ihre Differenzen ausräumen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen