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Handwerk in MV : Meister suchen Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wegen der niedrigen Geburtenzahlen nach der Wende gibt es weniger Bewerber für Handwerk / Trotz bester Auftragslage keine Lehrlinge

von
erstellt am 07.Mai.2014 | 11:59 Uhr

Das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern will schon bei Kindergartenkindern das Interesse für Handwerksberufe wecken, um auch so dem einsetzenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Zudem soll die Berufsorientierung in den Schulen stärker genutzt werden.

„Wir haben insgesamt weniger Schulabgänger. Und der Drang zum Abitur schmälert die Bewerberzahlen für das Handwerk zusätzlich. Wir müssen deutlich offensiver für die Möglichkeiten und Vorteile in Handwerksberufen werben“, sagte Michael Roolf, Präsident des Wirtschaftsverbandes Handwerk, gestern in Schwerin. Für den Abend hatte der Verband Landtagsabgeordnete zu einem Parlamentarischen Abend in das Schloss eingeladen. Jahrelang habe sich das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern aus einem Überangebot von Bewerbern bedienen können. Doch habe sich dieses Verhältnis längst gedreht, und diesen Zeitpunkt habe das Handwerk regelrecht verschlafen. „Jetzt haben wir das böse Erwachen“, räumte Roolf ein.

Die Fachkräftesicherung sei inzwischen das größte Problem. Die Auftragslage im Handwerk Mecklenburg-Vorpommerns sei gut wie nie.

Wegen fehlender Fachkräfte sei die Arbeit häufig kaum noch zu schaffen. Neun von zehn Firmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend ein und blicken voller Zuversicht in die Zukunft, ergab kürzlich eine Umfrage unter Handwerksfirmen im Land. Die rund 20 000 Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen mehr als 100 000 Menschen. Gut 5 000 junge Leute erhalten im Handwerk derzeit eine Ausbildung. 600 Lehrstellen aber sind nicht besetzt. Roolf forderte vom Land, den Übergang von der Schule zum Beruf besser zu begleiten. Das vom Bund nur bis Ende 2013 finanzierte Übergangsmanagement in den Landkreisen dürfe nicht ersatzlos wegfallen. Zudem gelte es, die Schulbildung zu verbessern. Jedem zehnten Jugendlichen im Land fehle die formale Berufsreife, weil er ohne Abschluss die Schule verlässt. „Wir brauchen fähigen Nachwuchs. Handwerker arbeiten heute meist mit moderner Technik und müssen mit ihrer Arbeit Qualität und Sicherheit garantieren“, erklärte Roolf. Unterstützung erhielt er von Linksfraktionschef Helmut Holter.

Holter forderte von der Landesregierung die Einrichtung von Koordinierungsstellen auf Landesebene sowie in jedem Landkreis und den kreisfreien Städten. Roolf sprach sich zudem für mehr Hilfe für junge Mütter aus, damit mehr Frauen eine Karriere im Handwerk starten könnten. Im Gegensatz zu Arbeitnehmerinnen gebe es für Unternehmerinnen keinen Anspruch auf Mutterschutz, moniert er. Auch die Kinderbetreuung gelte es auszubauen. „Es gibt viele ungelöste Probleme, und es ist schwer, unter diesen Bedingungen junge Frauen für einen Handwerksberuf zu begeistern“, sagte Roolf. Nach seinen Angaben machen Frauen knapp ein Drittel der Beschäftigten im Handwerk aus.

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