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Landwirtschaft : Mehr Platz für Hühner und Puten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geflügelhalter aus MV steigen in eine Initiative für mehr Tierwohl ein: Je Quadratmeter im Schnitt nur 17,5 statt 19,5 Tiere.

Nach den Schweinehaltern starten im Sommer die Mäster von Hähnchen und Puten in Deutschland mit der Initiative Tierwohl. Der Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern hat auf seiner Jahresmitgliederversammlung gestern in Tellow im Landkreis Rostock die Geflügelhalter aufgerufen, sich daran zu beteiligen – obwohl es bei den Schweinemästern viel Unzufriedenheit und Enttäuschung gibt. Wie die Verbandsvorsitzende Marion Dorn sagte, hatte die Geflügelwirtschaft die Aktion des Deutschen Bauernverbandes und des Lebensmittel-Einzelhandels mit angeregt. Der Gedanke sei, mehr für den Tierschutz zu tun und dafür einen höheren Preis für das Fleisch zu erzielen.

Es sei unklar, ob der vom Einzelhandel finanzierte Fonds für alle interessierten Geflügelmäster ausreiche, sagte Dorn. Zusätzliche Kosten entstünden bei der Initiative vor allem dadurch, dass weniger Tiere je Quadratmeter gehalten werden dürfen und den Tieren Beschäftigungsmaterial wie Strohballen oder Picksteine zur Verfügung gestellt werden. Der Aufwand für Arbeitskräfte, Strom, Wasser, Einstreu, Reinigung und Desinfektion bleibe gleich.

Wie die Vorsitzende am Rande der Tagung erläuterte, dürfen Teilnehmer an der Initiative Tierwohl maximal 35 Kilogramm Hähnchenfleisch je Quadratmeter erzeugen – das sind rechnerisch 17,5 Tiere (bei zwei Kilogramm Endmastgewicht). Ansonsten sind es in Deutschland 39 Kilogramm (19,5 Tiere), in der EU 42 Kilo oder 21 Tiere. Der Tierwohl-Mäster brauche zum Kostenausgleich mindestens 3,5 Cent pro abgeliefertes Kilogramm Hähnchen mehr, sagte Dorn. Der Handel sei aber nur bereit, diese Summe pro Kilo verkauftes Fleisch zu zahlen. Das mache nur 60 bis 70 Prozent des Lebendgewichts der abgelieferten Hähnchen aus.

Zudem habe die Initiative Tierwohl einen großen Aufwand für Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung. Auch machten nicht alle Handelsketten bei der Initiative mit. „Wir rechnen damit, dass nur 40 bis 50 Prozent der in Deutschland produzierten Menge an Hähnchenfleisch über diese Initiative laufen kann“, sagte Dorn. Voraussichtlich würden sich wesentlich mehr Landwirte melden als mitmachen könnten. Wie bei den Schweinemästern werde dann das Los entscheiden müssen.

In dem zu Jahresbeginn gestarteten Tierwohl-Fonds stehen in den kommenden drei Jahren rund 255 Millionen Euro bereit. Landwirte, die ihren Tieren zum Beispiel mehr Platz bieten als es die Gesetze vorschreiben, sollen künftig aus dem Fonds Gelder beantragen können. Dafür müssen sie Verbesserungen bei der konventionellen Nutztierhaltung nachweisen. Die Teilnahme an der Initiative ist freiwillig. der Fonds wird finanziert durch Fleischverkauf.  

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