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Massentierhaltung : Mehr Kuhkomfort fürs Einzeltier

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Branchenexperten und Bauernverband verteidigen Bau neuer großer Stallanlagen

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Bauboom am Stall: In der Debatte um den Bau des mit 3000 Tierplätzen größten Milchviehstall in Westmecklenburg haben Branchenexperten und Landesbauernverband Investitionen in neue, auch große Stallanlagen in Mecklenburg-Vorpommern verteidigt. Solange geltende Gesetze eingehalten, geforderte Gutachten und die Nachweise über ausreichende Flächen zur Ausbringung der anfallenden Gülle sowie für die Futterversorgung erbracht würden, müssten sich Investoren darauf verlassen können, dass sie bauen dürften, sagte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern gegenüber unserer Redaktion.

Entsprechend dieser Vorgaben müsse entschieden werden, verlangte Berthold Majerus, Chef der landeseigenen Agrarberatungsgesellschaft LMS, schnellere Genehmigungsverfahren. Wer mehr Tierwohl- und -schutz verlange, müsse auch Investitionen zulassen, sagte Tietböhl. Dazu müssten sich neue Stallanlagen in die Region einpassen. Das sei im Fall Keez gegeben, die Investoren verfügten über ausreichende Flächen für die Ausbringung von Gärresten, sagte Tietböhl: „Keez ist eine Zukunftsinvestition.“

Im Land stünden jährlich in gut zehn Prozent der bestehenden Ställe Investitionen an. Landwirte wollten verstärkt in besseren Kuhkomfort investieren, beobachtet LMS-Chef Majerus. Dem Wirtschaftsministerien zufolge hätten mehrere Bauern derzeit den Bau neuer Ställe beantragt, neben Keez in Zehna (Landkreis Rostock) einen Rinderstall für 490 Kühe und Presek (Ludwigslust-Parchim) eine Hähnchenmastanlage für 160 000 Tiere.

Tietböhl lehnte erneut die Einführung von Tierobergrenzen ab: Das mache keinen Sinn, da bessere Haltungsbedingungen für das Einzeltier entscheidend seien, „egal, wie viele Tiere danebenstehen“. „Es geht um den Kuhkomfort für das Einzeltier“, erklärte Majerus und forderte eine sachliche Auseinandersetzung zwischen Investoren und Betroffenen vor Ort. Tierschutz- und Umweltverbände, Bürgerinitiativen und Kritiker seien bislang aber oft nicht bereit, Kompromisse mitzutragen, sagte Tietböhl. Oftmals solle Verbrauchern ein Landwirtschaftsbild vermittelt werden, das nicht mehr praktikabel sei.

Forke, Krippe, Karre – das gebe es nicht mehr. Vielmehr gehe es auch um bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, um wieder mehr junge Menschen für die Branche zu gewinnen.

Indes wird sich der Bau des 3000er-Kuhstalls in Keez (wir berichteten) entgegen den Erwartungen des Investors um Monate verschieben. Der Agrarhof Brüel hatte noch für 2015 mit der Baugenehmigung gerechnet. Noch sei aber nicht vorauszusehen, wann eine Entscheidung getroffen werden kann, teilte gestern das Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg in Schwerin mit. 2015 sei aber mit keiner Entscheidung zu rechnen.

Erst Anfang September waren weitere Einwände gegen die Anlage eingereicht worden, die derzeit geprüft werden müssen.

 
 

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