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Baumarktkette meldet Insolvenz an : Max Bahr fällt als Retter aus

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Max Bahr galt bislang als Rettungsanker für den insolventen Mutterkonzern Praktiker. Damit ist es jetzt vorbei. Zwei Wochen nach der rabattfreudigen Baumarktkette ist auch deren Tochter überschuldet und zahlungsunfähig.

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2013 | 07:45 Uhr

Hamburg | Max Bahr galt bislang als Rettungsanker für den insolventen Mutterkonzern Praktiker. Damit ist es jetzt vorbei. Zwei Wochen nach der rabattfreudigen Baumarktkette ist auch deren Tochter überschuldet und zahlungsunfähig und die Zerschlagung des gesamten Baumarktkonzerns gilt als immer wahrscheinlicher. Gestern hat ein Hamburger Gericht die vorläufigen Insolvenzverwalter für das Unternehmen bestellt. Zuvor hatte Praktiker am Donnerstagabend in Hamburg mitgeteilt, dass die Versorgung der Märkte nach dem Rückzug eines Warenkreditversicherers nicht mehr gesichert sei, es keine positive Progose für die Fortführung des Unternehmens gebe. Die 132 Märkte bleiben jedoch geöffnet und sollen ihren Geschäftsbetrieb stabilisieren. Den Hunderten Beschäftigten in den sechs Märkten in MV bleibt vorerst nur Ungewissheit und das Bangen um den Arbeitsplatz. Viele erfuhren erst aus der Presse von der Pleite. Bundesweit arbeiten in den 132 Märkten rund 5000 Beschäftigte. Max Bahr ist höherwertig positioniert als Praktiker und sollte in Deutschland zur Hauptver triebslinie der Gruppe ausgebaut werden.

Die Gewerkschaft Verdi warnte gestern vor einer drohenden Zerschlagung des gesamten Konzerns. "Auch Warenkreditversicherer, Banken, Lieferanten und Vermieter müssen Verantwortung für die Arbeitsplätze und Existenzen der rund 15 000 Beschäftigten bei Max Bahr und Praktiker übernehmen", forderte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Es sei skandalös, dass ein einzelner Warenkreditversicherer aus kurzfristigem Profitinteresse die Fortführung des Unternehmens gefährde.

Beim Versicherungsunternehmen Coface wird dieser Vorwurf zurückgewiesen. Es könne zu konkreten Fällen nicht Stellung nehmen, sagte ein Sprecher. "Generell prüfen wir kontinuierlich die Bonität und Zahlungsfähigkeit von Unternehmen, ehe wir unseren Kunden Versicherungsschutz für ihre Lieferungen einräumen", fügte er hinzu. Warenkreditversicherungen sind im Handel durchaus üblich. Jedes Jahr werden Schätzungen zufolge Waren auf Kredit im Wert von 320 Milliarden Euro an Händler geliefert. Die Kreditversicherer tragen dafür Sorge, dass der Lieferant nicht auf den Rechnungen sitzen bleibt.

Bei Max Bahr steht der Wareneinkauf nun erst einmal still. Einer Konzernsprecherin zufolge werde der Insolvenzverwalter klären müssen, wie die Märkte künftig weiter versorgt werden. Sie betonte noch einmal, dass die Filialen selbst ihren regulären Betrieb fortführen würden. In einzelnen Märkten im Norden hatten gestern zunächst einmal Kunden das Nachsehen. Zum Teil wurden mit Verweis auf den Insolvenzantrag Gutscheine nicht eingelöst oder Kundenguthaben nicht verrechnet. Die Konzern-Sprecherin erklärte auf Anfrage, dass ihr entsprechende Anweisungen seitens der Geschäftsführung nicht bekannt seien.

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