Mallorcas schwarze Zukunft

<strong>Am Strand </strong><strong>von Arenal auf Mallorca</strong> herrscht immer Hochbetrieb. Zu viel? <fotos>dpa</fotos>
Am Strand von Arenal auf Mallorca herrscht immer Hochbetrieb. Zu viel? dpa

svz.de von
22. März 2013, 05:08 Uhr

Palma De Mallorca | Dicke pechartige Tropfen regnen auf Mallorca. Immer heftiger prasselt es herunter. Bis die ganze paradiesische Mittelmeerinsel unter einer düsteren schwarzen Masse verschwunden ist. So könnte, warnt die große mallorquinische Naturschutzbewegung Gob, irgendwann der "Blackout" Mallorcas aussehen. Soweit nicht bald in der Bau- und Umweltpolitik die Notbremse gezogen wird. Mit dieser düsteren Video-Botschaft, die von dem bekannten spanischen Künstler Miquel Barcelo gestaltet wurde, wollen die Umweltschützer die Insel-Touristen aufrütteln und dafür gewinnen, gegen die "Zerstörung" dieser "einzigartigen Insel" zu kämpfen.

Schon seit Monaten stören Demonstrationen, Menschenketten und Sitzblockaden die Urlaubsruhe auf der Insel, die jedes Jahr von rund neun Millionen Touristen besucht wird. Protest gegen neue Hotelprojekte, Siedlungen und Yachthäfen in Küstenbereichen, die bisher vom Bauwahn und Massentourismus verschont geblieben waren. Vor allem ein geplanter luxuriöser Hotelkomplex in der Nähe des berühmten Traum-Naturstrandes Es Trenc im Süden der Insel gilt als Symbol einer neuen Betonpolitik der konservativen Inselregierung. Auch der geplante Import von zigtausenden Tonnen Abfall, mit welcher die gigantische Müllverbrennungsanlage im Norden Palmas ausgelastet werden soll, treibt die Bewohner auf die Barrikaden und sorgte für das unschöne neue Insel-etikett "Müllorca".

Die Gob-Inselschützer, die auf Facebook inzwischen von mehr als 10 000 Menschen unterstützt werden, warnen vor einem drohenden Umweltkollaps auf dem Balearen-Eiland: "Mit der Ausrede der Wirtschaftskrise, der Schaffung neuer Arbeitsplätze und der Förderung der Wirtschaft möchte die derzeitige balearische Regierung neue Urbanisierungen und Bebauungen zulassen. Dadurch werden Schutzgebiete und die Landschaft Mallorcas weiter zerstört." Das alles werde unter dem Deckmantel des Tourismus und im angeblichen "Interesse für die Allgemeinheit" durchgepeitscht.

Dabei seien die einzigartige Kultur und Natur der Insel doch das wichtigste Kapital Mallorcas. "Ihre Zerstörung wird negative Auswirkungen auf das Image, auf die Qualität der Insel als touristisches Reiseziel haben", warnen die Umweltschützer, die inzwischen auch viele prominente Inselbewohner auf ihrer Seite haben. "Wer Mallorca liebt, der zerstört es nicht", sagt etwa Francesc Moll, ein bekannter Verleger auf dem Eiland, der ebenfalls für die Zukunft der mallorquinischen Naturoase kämpft.

Mit einem offenen Brief an die Regionalregierung der Baleareninseln soll nun das Heer der Mallorca-Urlauber, von denen übrigens rund ein Drittel aus Deutschland kommen, die weitere Vernichtung der Inselschätze aufhalten: "Es ist schlimm zu sehen, dass jetzt die Fehler der letzten Jahrzehnte wiederholt werden und mit neuen Bebauungen und großen Infrastruktur-Projekten weitere Verluste der natürlichen Ressourcen, der Landschaft und der Biodiversität einhergehen", heißt es in dem Protestschreiben. "Wir bitten Sie daher, Ihre derzeitige Raumordnungspolitik zu überdenken und eine soziale und nachhaltige Politik einzuschlagen, welche die Menschen sowie das Natur- und Kulturerbe respektiert."

Der Protestbrief in deutscher Sprache kann auf der Gob-Internetseite www.mallorcablackout.org gleich per Tastendruck abgeschickt werden. Bisher haben sich die Inselpolitiker freilich wenig vom scharfen Gegenwind beeindrucken lassen. Deswegen setzt der Gob zugleich auf die Hilfe der Gerichte, die schon manchen Bauirrsinn auf Mallorca stoppten, weil er gesetzeswidrig war.

Etwa in dem Küstenort Ses Covetes ganz in der Nähe des Naturstrandes Es Trenc: Dort muss jetzt eine hässliche Bauruinen-Siedlung mit 68 Appartements abgerissen werden. Die Urbanisation war illegal errichtet und ihre Fertigstellung dann gerichtlich gestoppt worden.

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