Fachkongress in Rostock : Luft- und Raumfahrtbranche im Hoch

Präsentation eines Flugzeugmodells
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Präsentation eines Flugzeugmodells

Wirtschafts- und Währungskrisen erschüttern aktuell viele Branchen. Nicht so die zivile Luft- und Raumfahrt.

svz.de von
23. September 2015, 12:00 Uhr

Die weltweite zivile Luft- und Raumfahrtindustrie geht in den kommenden Jahren von stabilen Wachstumsraten im Bereich von jährlich fünf bis sechs Prozent aus. Auch in den vergangenen Jahrzehnten sei die zivile Luftfahrtbranche im Schnitt jeweils um rund fünf Prozent gewachsen, sagte der Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Rolf Henke, am Dienstag beim 64. Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress in Rostock. „Wir sehen momentan nicht, warum das nicht mehr stattfinden soll.“ Dies gelte für den Passagier- und den Frachtbereich. Zu dem dreitägigen Kongress haben sich rund 700 Wissenschaftler und Branchenvertreter versammelt.

Experten erwarten, dass in den kommenden 20 Jahren weltweit rund 30 000 neue zivile Flugzeuge mit einer Kapazität von mehr als 100 Sitzen gebaut werden. Aktuell gebe es rund 20 000 Flieger dieser Größenordnung. Zu 20 000 für den kommenden Bedarf müssten 10 000 als Ersatz gebaut werden. Der internationale Flugzeugbau sei auf die kommenden acht bis neun Jahre hinaus ausgebucht, sagte Henke.

Auch im Bereich der unbemannten Raumfahrt gibt es nach Worten der stellvertretenden DLR-Vorsitzenden, Claudia Kessler, derzeit keine Tendenzen zu einer Verlangsamung. Vielmehr sei der Markt stark in Bewegung, die unter anderem von dem US-Unternehmen SpaceX ausgelöst worden sei. SpaceX biete Raketenstarts zum Aussetzen von Satelliten zu Billigpreisen an und liege damit im Marksegment der europäischen Ariane-Rakete. Die Ariane-Rakete, von der jährlich 12 bis 15 auf die Reise geschickt werden, sei in diesem Bereich bislang Marktführer.

Das künftige Wachstum sieht Kessler im Bereich der klassischen TV-, Wetter- und Telefonsatelliten vor allem durch die sogenannten Schwellenländer, die bislang keine eigenen Satelliten im All haben. Auch drängten zunehmend Anbieter von sozialen Medien auf den Satellitenmarkt. Es gebe Pläne, mehrere Tausend kleinere Satelliten im All zu positionieren, um weltweit Internet für jeden zu realisieren.

Entwicklungssprünge erwarte sich die Raumfahrtbranche vom sogenannten 3D-Printing, bei der mit anderen Materialien als etwa Aluminium gearbeitet wird, sagte Kessler. Die Verwendung von Kunststoffen oder Verbundwerkstoffen könne zu Gewichtseinsparungen von rund 50 Prozent und mehr führen. Dies werde Auswirkungen auf den Raketenmarkt haben. Auch könnten 3D-Drucker in Raumstationen Verwendung finden. Ersatzwerkstoffe könnten dann in den Stationen produziert und müssten nicht mit Raketen transportiert werden.

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