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Lehrstellen für alle

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erstellt am 29.Jul.2011 | 04:52 Uhr

Schwerin | Überangebot am Ausbildungsmarkt: Unmittelbar vor dem kommende Woche beginnenden neuen Lehrjahr können die Unternehmen Tausende freie Ausbildungsplätze nicht besetzen.

Noch immer suchen die Personalschefs in Mecklenburg-Vorpommern für 4171 freie Stellen Bewerber - 560 mehr als vor einem Jahr, teilte die Landesarbeitsagentur mit. Interessenten sind knapp: Von den knapp 8200 bislang gemeldeten Interessenten in MV suchten im Juli nur noch 2618 junge Leute eine Lehrstelle. Damit hat sich die Bewerbernot weiter verschärft: Vor einem Jahr waren 3611 Plätze unbesetzt, gleichzeitig aber noch 3047 junge Leute ohne Ausbildungsplatz.

Jeder Jugendliche werde in Mecklenburg-Vorpommern gebraucht, meinte Jürgen Goecke, Chef der Landesarbeitsagentur. Den jungen Leute müsse klargemacht werden, dass "wir im Land genügend Ausbildungsplätze haben". Allerdings: Die schlechten Erfahrungen und die Lehrstellennot der vergangenen Jahre scheinen nicht so schnell vergessen zu werden. "20 Jahre Massen arbeitslosigkeit haben in den Köpfen Wirkung hinterlassen", sagte Goecke. "Das sitzt tief." Allerdings: Während in den 90er-Jahren Unternehmen mit einer Lehrstellenprämie belohnt wurden, die einen Ausbildungsplatz neu oder zusätzlich eingerichtet hatten, lehnt Goecke einen Bonus für Lehrstellenbewerber ab: "Prämien sind der falsche Ansatz." Vielmehr finanziere die Arbeitsagentur mehr als 3800 Stellen beispielsweise für benachteiligte Jugendliche, in der Berufsvorbereitung oder für ausbildungsbegleitende Hilfen, um den jungen Leuten den Berufseinstieg zu erleichtern.

Indes leidet Mecklenburg-Vorpommern noch immer unter der massenweisen Abwanderung junger Leute. So würden 3500 Jugendliche in andere Bundesländer auspendeln. "Das ist kritisch", meinte Goecke. Auch, weil meist die Leistungsstarken und Höherqualifizierten jenseits der Landesgrenze einen Beruf erlernen. So hätten 30 Prozent der jungen Pendler Abitur, von den Lehrlingen in MV zehn Prozent.

Besonders betroffen ist in MV die Hotel- und Gaststättenbranche. Köche, Restaurant- und Hotelfachleute: Im Juni waren mehr als 1000 Ausbildungsplätze noch unbesetzt. Die Unternehmen reagierten inzwischen, sagte Goecke. Mit den jetzt zugesagten höheren Ausbildungsvergütungen setze die Branche ein Signal.

Mehr Bewerber für die Wirtschaft in MV: Zuerst seien die Unternehmer selbst gefordert, erklärte DGB-Landesvize Ingo Schlüter: "Junge Leute müssen wie Goldstaub behandelt werden." Ausbildungsqualität, Vergütung, Übernahmechancen: Da gebe es aber immer noch große Unterschiede zwischen den Branchen. Die Unternehmer müssten "die Ausbildung junger Leute als Investment begreifen", meinte Schlüter. Wer nur über schlechte Leistung debattiere, habe die Marktlage noch nicht erkannt. "Wir brauchen jeden Jugendlichen", sagte Schlüter. Schulabgängern mit Ausbildungslücken müsse Hilfestellung beim Berufseinsteig gegeben werden. Schlüter: "Wir dürfen keinen zurücklassen."

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