zur Navigation springen

Landwirtschaftstag in Linstow : Landwirte legen Stall-Neubau auf Eis

vom

Nach dem Aus für zwei bereits genehmigte und errichtete Mastanlagen für Hähnchen und Schweine in Kuppentin und Mestlin liegen in MV Investitionen bis zu 60 Millionen Euro in neue Stallanlagen auf Eis.

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2013 | 07:57 Uhr

Krakow | Baustopp auf dem Bauernhof: Nach dem von Verwaltungsgerichten verhängten Aus für zwei bereits genehmigte und errichtete Mastanlagen für Hähnchen und Schweine in Kuppentin und Mestlin im Landkreis Ludwigslust-Parchim liegen in MV Millioneninvestitionen in neue Stallanlagen auf Eis. Die Entscheidungen hätten zu erheblicher Rechtsunsicherheit geführt, erklärte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern auf dem Landwirtschaftstag der VR- und Raiffeisenbanken mit 550 Landwirten, Politikern, Bankern und Wissenschaftlern in Linstow nahe Krakow. Die Ämter würden derzeit Baugenehmigungen nicht mehr bearbeiten und Entscheidungen vor sich herschieben. Und die Landwirte wüssten nicht mehr, ob sie sich noch auf staatliche Genehmigungen verlassen könnten, sagte Tietböhl. Landesweit seien dutzende Projekte mit Investitionen von bis zu 60 Millionen Euro blockiert. Zudem seien im vergangenen Jahr mehrere Bauprojekte den vom Land veränderten Förderkonditionen zum Opfer gefallen. Obwohl das Land den Schutz bestehender Förderanträge zugesagt habe, sei den Bauern bei mindestens vier Projekten die in Aussicht gestellten Beihilfen versagt worden, kritisierte Tietböhl die mangelnde Unterstützung des Landes. "Wir werden blockiert", meinte er - auch durch den wachsenden Bürgerprotest gegen neue Anlagen.

Millionen-Beihilfen sind trotzdem geflossen: Im vergangenen Jahr seien Investitionen von knapp 60 Millionen Euro in 84 Stallanlagen mit fast 18 Millionen Euro gefördert worden, wies Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) die Kritik der Bauern zurück. In diesem Jahr sei der Fördertopf zudem um 15 Millionen Euro aufgestockt worden. Backhaus forderte die Bauern auf, sich auf eine geänderte Agrarförderung einzustellen. "Die Landwirtschaft muss raus aus der Ecke der Dauersubventionen", sagte er. MV habe günstige Standortbedingungen für die Veredlungsproduktion. Dabei sei es unerheblich, ob Bauern in kleineren oder größeren Betriebsstrukturen wirtschafteten. Entscheidend sei, dass die Landwirte ihre Betriebe nach regionalen Wirtschaftskreisläufen organisierten. Die Landwirtschaft sei ein entscheidender Motor für die wirtschaftliche Entwicklung in MV, sagte Manfred Henne, Sprecher der VR-Banken in MV und sicherte den Bauern weitere Finanzierungshilfen der VR-Banken zu.

Der grüne Europaabgeordnete Martin Häusling plädierte hingegen für eine Neuorientierung auf dem Bauernhof. Für die bisherige Landwirtschaft fehle es in der Bevölkerung an Zustimmung, sagte er. Die Tierhaltung sei in vielen Regionen in Deutschland am Limit angekommen. Die Bio-Produktion aber habe Zukunft. Häusling zufolge stünden die Beihilfezahlungen der EU an die Bauern nicht in Frage. Die Zahlung müsse aber an Bedingungen wie z. B. Umweltauflagen geknüpft werden, fordert er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen