Finanzhilfe : Land zahlt Lehrlingen höheres Wegegeld

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MV verdreifacht Unterkunfts- und Anfahrtshilfe. Firmen beteiligen sich bislang kaum

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02. Juni 2015, 06:00 Uhr

Das Land hebt die bislang kaum genutzte Finanzhilfe für Lehrlinge mit langen Anfahrtswegen und Unterkunftskosten noch einmal deutlich an: Künftig sollen Auszubildende mit weniger als 500 Euro Entgelt im Monat unterstützt werden, kündigte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern an. Bisher stand die Hilfe nur Auszubildenden aus Hartz-IV-Familien zu. Zudem würden die Zuschüsse für Unterkünfte von zehn auf 15 Euro und Beförderungskosten angehoben. Das Land wolle sich an Entfernungspauchalen von 30 Cent je Kilometer statt bislang 15 Cent beteiligen. Eine entsprechende Richtlinie sei „in den letzten Zügen“, sagte Brodkorb. Die neue Fördersätze sollen nach Möglichkeit ab dem neuen Lehrjahr gelten.

Nach wachsender Kritik von Auszubildenden und Unternehmen an steigenden Anfahrts- und Unterkünftskosten hatte das Land 2013 ein Hilfsfonds mit jährlich 100 000 Euro aufgelegt. Künftig sollen 350 000 Euro zur Verfügung stehen, erklärte CDU-Landtagsfraktionschef Vincent Kokert. Es bleibe aber dabei, dass sich Land, Unternehmen und Auszubildender die Kosten zu je einem Drittel teilen, sagte SPD-Landtagsfraktion Norbert Nieszery: „Wer Fachkräfte haben will, muss seinen Teil zu beitragen.“ Allerdings solle die bisherige Nachweispflicht für die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber entfallen, sagte Brodkorb. Lehrlingen, deren Arbeitgeber nicht zahlten, solle die Hilfe nicht verweigert werden, sagte Nieszery.

Bislang haben die Arbeitgeber das Programm weitgehend boykottiert: Es gebe zwar bereits eine Reihe von Unternehmen, die ihre Auszubildenden teilweise komplett von den Fahrtkosten entlasteten, meinte Brodkorb. Es sei aber bedauerlich, dass noch immer zu wenige Unternehmer bereit seien, ihren Drittelanteil zu leisten. Aus dem 100 000-Euro-Fonds seien weniger als 10 000 Euro ausgezahlt worden. Die Wirtschaft begrüßte die Entscheidung: Durch die Zusammenlegung von Berufsschulen wachse die Zahl der Lehrlinge, die über Kreis- und Landesgrenzen hinaus zur Ausbildung unterwegs seien, erklärte Edgar Hummelsheim, Chef der Handwerkskammer Schwerin: „Die Einsparungen bei den Berufsschulstandorten darf nicht zu Lasten der Lehrlinge gehen.“

Indes wollen SPD und CDU Auszubildenden aus Hartz-IV-Familien besser stellen. In der Vergangenheit hatte die Arbeitsverwaltung die Beihilfe auf die Sozialleistungen angerechnet und einen Teil zurückgefordert, so dass die Betroffenen unterm Strich ohne Landeshilfe dastanden. In einem Antrag an den Landtag drängen die Koalitionsfraktionen auf Änderungen der Sozialgesetze.  

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