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Umbauarbeiten in Kommunen : Land bereitet sich auf Flüchtlinge vor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten erwarten Zunahme bei Asylbewerbern

Bürgermeister Reinhard Engel ist derzeit viel in seinem Ort Jördenstorf (Landkreis Rostock) unterwegs, um mit den Einwohnern zu reden. In wenigen Wochen sollen Asylbewerber im Internat der Landwirtschaftsschule einziehen. Die Umbauarbeiten dafür laufen. „Natürlich gibt es auch bei uns im Dorf Vorbehalte und mitunter tief sitzende Vorurteile gegenüber Ausländern. Darüber muss man reden und Fakten sprechen lassen“, sagt der parteilose Kommunalpolitiker.

Dazu zählt er auch Informationen über die Unterbringungsbedingungen, zum Beispiel beim Tag der offenen Tür Ende März. „Zwei Bewohner auf knapp 20 Quadratmetern, Gemeinschaftküche und Gemeinschaftsdusche. Das sind nicht die Luxusbedingungen, die sich mancher so vorstellt“, sagt Engel. Doch nicht nur auf Skepsis sei er im Dorf gestoßen, auch auf Hilfsbereitschaft und Solidarität. Pensionierte Lehrer etwa wollten Deutschunterricht erteilen, und auch von Vereinen und der Kirche gebe es schon Hilfsangebote.

So wie in der 900-Seelen-Gemeinde im Norden der Mecklenburgischen Schweiz laufen auch in anderen Städten und Dörfern des Landes Vorbereitungen für die Aufnahme von Flüchtlingen. In Dummerstorf zum Beispiel und in Schwerin, wo in der früheren Blücher-Kaserne eine Außenstelle der Erstaufnahme-Einrichtung in Horst (Landkreis Ludwigslust-Parchim) entstehen soll. Nach dem starken Anstieg der Asylbewerberzahlen im Vorjahr sind alle vorhandenen und kurzfristig neu geschaffenen Unterkünfte belegt.

Nach Angaben des Innenministeriums in Schwerin wurden 2014 im Nordosten rund 4400 Asylbewerber aufgenommen und damit fast doppelt so viele wie 2013. Für 2015 erwarten Experten angesichts weltweit fortwährender Konflikte einen weiteren Anstieg. Schon im Januar wurden in MV 478 Asylanträge gestellt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge prognostiziert für das Land in diesem Jahr mindestens 4700 neue Asylbewerber.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der in der Asylpolitik eine eher harte Linie fährt, hatte Anfang Februar ein Flüchtlingslager für Syrer im Libanon besucht. Danach kündigte er an, sich bei seinen deutschen Amtskollegen für die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien einsetzen zu wollen.

Mecklenburg-Vorpommern trägt noch immer schwer am Kainsmal der ausländerfeindlichen Pogrome von Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992. Die Landesregierung ist alarmiert. Sie hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, versucht eine zu konzentrierte Unterbringung von Flüchtlingen zu umgehen, bindet Kreise und Kommunen frühzeitig in Planungen ein und hält deren Lasten gering. MV ist eines von nur drei Bundesländern, die den Kommunen die Kosten für die Unterbringung voll erstatten. Um Kosten geht es auch beim heutigen Spitzentreffen von Regierung und Kommunalverbänden in der Schweriner Staatskanzlei.

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