Breitbandversorgung in MV : Lahmer Datenfluss

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In MV hängt erst die Hälfte der Haushalte am schnellen Internet

svz.de von
09. April 2015, 08:00 Uhr

Lahmes Netz in MV: Erst fünf Kommunen im Nordosten sind nach Angaben der Grünen in der digitalen Zukunft angelangt. Nur in Binz, Neubrandenburg, Stralsund, Wittenförden bei Schwerin und Woggersin (Mecklenburgische Seenplatte) verfügten mindestens 95 Prozent der Haushalte schon über Breitbandanschlüsse mit einer Übertragungsrate von 50 Mbit/s. In 128 Gemeinden hingegen müsse sich jeder zweite Haushalt noch mit 2 Mbit/s oder weniger begnügen, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Johannes Saalfeld gestern unter Hinweis auf jüngste Daten der Bundesregierung zur Internetversorgung in MV.

Die Unterschiede sind groß: Während beispielsweise Neubrandenburg, Baabe und Binz zwischen 94 und 96 Prozent der Haushalte schneller als 50 Mbit/s im Netz unterwegs sind, verzweifeln Einwohner in Zierzow, Warlitz, Utecht, Wöbbelin und Zierow. Den Angaben zufolge erreichen dort nur ein bis zwei Prozent der Haushalte so hohe Übertragungsraten. Nur ein bis zwei Prozent erreichen sogar nur 1 Mbit/s.

Saalfeld forderte Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) auf, mehr für die digitale Entwicklung zu tun. Ansonsten werde das vom Bund formulierte Ziel verfehlt, bis 2018 alle Haushalte an das schnelle Internet anzuschließen. „Der Minister sollte sich endlich an die Arbeit machen und etwas mehr Ehrgeiz zeigen, anstatt die ländlichen Räume leichtfertig von der digitalen Entwicklung abzuhängen“, mahnte der Grünen-Politiker. Den Vorschlag seiner Fraktion, Millionen aus dem Etatüberschuss von 2014 für den Breitbandausbau einzusetzen, hatte die SPD/CDU-Regierung abgelehnt.

Pegel wies die Kritik der Untätigkeit zurück. So sei der TÜV Rheinland mit einem Gutachten beauftragt worden. Er solle die Kosten für zwei Ausbauszenarien im Land ermitteln: zum einen Glasfaser bis in jede Ortslage und zum anderen Glasfaser bis zu jeder Haustür. Die Ergebnisse flössen ein in ein Gesamtkonzept. „Wir wollen durch einen Technologiemix von Glasfaser, Kupferkabel und auch Funklösungen so schnell es geht zu 50 Mbit/s flächendeckend kommen“, erklärte Pegel. Um in Zukunft auch Übertragungsraten jenseits der 50 Mbit/s zu erreichen, müsse überall eine Glasfaseranbindung vorhanden sein. „Dieser strategische Ansatz, dauerhaft über die Erschließung des Landes mit Glasfaser nachzudenken, unterscheidet die Landesregierung von den Grünen, die sich auf möglichst kurzfristig zu erzielende Übertragungsraten kaprizieren“, hielt Pegel Saalfeld entgegen. Das Land werde seine Förderkulisse präsentieren, sobald der Bund seine Zuschüsse für den Breitbandausbau konkret zugesagt habe.

Über einen Glasfaseranschluss bis ins Haus verfügten bislang 4800 Haushalte und damit nur knapp 0,6 Prozent aller Haushalte im Land, beklagte Saalfeld unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage des Rostocker Bundestagsabgeordneten Harald Terpe. Demnach haben im Landkreis Rostock nur 19,3 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss mit 50 Mbit/s, im Kreis Mecklenburgische Seenplatte sind es 53,4 Prozent. In Schwerin beträgt die Quote 82,9 in Rostock sogar 90,9 Prozent.

Nach früheren Angaben Saalfelds investierte das Land seit 2009 etwa 25 Millionen Euro in den Breitbandausbau. Bayern fördere die Bereitstellung schneller Internetanschlüsse mit 1,5 Milliarden Euro, Sachsen habe 300 Millionen Euro eingeplant.

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