Urlaubsstress 2014 : Längere Ferienzeit für alle

dpa_14858800fe9afed8
1 von 1

Urlaubsstress 2014: Saison so kurz wie selten zuvor / Wirtschaftsminister fordern Zeitkorridor von 13 Wochen

svz.de von
13. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Volle Strände, verstopfte Straßen, hohe Preise, überbuchte Hotels: Deutschlands Urlauber müssen sich im kommenden Jahr auf einen deutlich größeren Ferienstress und die Tourismusbranche auf Millionenausfälle einstellen. Die Ferienregeln der Länder verkürzen die Urlaubssaison 2014 auf nur noch 71 Tage – zehn Wochen, so kurz wie seit Jahren nicht mehr, 14 Tage weniger als noch in diesem Jahr. Auch 2015 wird es eng: Die Urlaubssaison beschränkt sich dann auf elf Wochen.

Gerangel im Urlaubsland: Zumindest ab 2018 wollen die Wirtschaftsminister der Länder den Stress für Deutschlands Urlauber und Tourismusbranche abbauen. Sie drängen ihre Kabinettskollegen im Bildungsressort vor der Anfang 2014 geplanten Festlegung der Ferientermine für die Jahre 2018 bis 2024 auf eine Verlängerung des Zeitkorridors der Sommerferien – auf 90 Tage im Jahr, beschlossen sie auf der gestern zu Ende gegangenen Wirtschaftsministerkonferenz in Dresden. Nach den bisherigen Planungen würde ab 2018 in keinem Jahr die Sommersaison 90 Tage dauern, kritisierte der Chef der Wirtschaftsministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) die Planungen der Kultusminister. Nach einem vorliegenden Arbeitsentwurf solle der Zeitkorridor vielmehr auf 79,5 Tage absinken. Glawe: „Das kann nicht sein. Eine lange Sommerferienregelung ist auch unter volkswirtschaftlichen und tourismuspolitischen Aspekten von Bedeutung.“ Urlaubsländer wie Mecklenburg-Vorpommern seien auf Touristen angewiesen. Glawe forderte die Kultusminister zum Umdenken auf. In die Planung müssten neben pädagogischen auch ökonomische und touristische Gesichtspunkte einbezogen werden. Die wiegen schwer: „Jeder Tag, um den sich die Ferienkorridore verkürzen, kostet der Tourismuswirtschaft bis zu 120 Millionen Euro Umsatz“, rechnete Glawe vor: „Jeder Tag mehr ist ein Gewinn für die Region.“

Die Branche fürchtet längst ums Geschäft: Eine derartige Verkürzung der Saison sei nicht notwendig, kritisiert Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes die vor Jahren getroffene Entscheidung der Kultusminister. Die kurzen Ferienzeiten seien einer der Hauptgründe für Staus auf den Straßen, hieß es beim Automobilclub ADAC. Weniger Fahrzeuge auf den Straßen könnten den Verkehrsfluss steigern. Eine Verlängerung würde für Entspannung auf den Straßen sorgen.

Zurückhaltung im Lehrerzimmer: Mit ihren Plänen beißen die Wirtschaftsminister allerdings bislang bei den Kulturministern auf Granit. Schon jetzt betrage die Zeitspanne für die Ferien im Sommer durchschnittlich 83 Tage, wiegelte die Kultusministerkonferenz in Berlin ab. Bei einer Ausdehnung der Sommerferienzeit auf 90 Tage könnten den Schülern beispielsweise kontinuierliche Lernzeiträume, Prüfungsabläufe und Unterrichtsphasen von mindestens sechs Wochen nicht mehr gesichert werden.

Bei einem Ferienbeginn Mitte Juni wäre zudem nicht mehr genügend Zeit für die Organisation zentraler Abschlussprüfungen und der Lernstoff in den Schuljahren kaum unterzubekommen. KMK-Generalsekretär Udo Michalik sieht indes vor allem die Tourismusbranche weniger die Kultusminister in der Pflicht: Nicht der Ferienbeginn in den Bundesländern sei oft ausschlaggebend für Staus auf den Straßen und begrenzte Buchungsmöglichkeiten, sondern oft die festen und starren Wechseltage der Anbieter: „Hier für mehr Flexibilität zu sorgen, würde gleichermaßen zu mehr Entspannung führen“, hatte er erklärt.

Mecklenburg-Vorpommern Bildungsminister Mathias Brodkorb gab sich zurückhaltend: Es dürfe zu keiner Regelung kommen, „die pädagogisch schädlich ist, denn am Ende müssen unsere Schülerinnen und Schüler Vorrang haben“, meinte er: „Wenn wir zum Beispiel schrittweise zu einem Zentralabitur kommen wollen, können wir bei den Ferienregelungen keine völlige Beliebigkeit zulassen.“

Glawe lässt die Bedenken der Kultusminister nicht gelten: Die oft angeführte kurze Unterrichtszeit zwischen dem Ende der Pfingstferien in einigen Bundesländern und dem Beginn der Sommerferien könne nicht die Grundlage der Ferienplanung in Deutschland sein, meinte Glawe: „Das ist ein einmaliger Effekt.“ Glawe erhofft sich indes Unterstützung von den Länderchefs.

Die scheint zumindest in Mecklenburg-Vorpommern sicher: „Es ist sehr ärgerlich, dass die Schulferien in den nächsten Jahren so dicht gedrängt sind“, beklagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) er in einem Interview mit der „Welt“: „Das muss künftig besser organisiert werden.“ Eine Entzerrung der Ferientermine sei nicht nur wichtig für die Tourismusbranche. „Es profitieren vor allem Familien mit Schulkindern davon, weil sie es dann leichter haben, ein Urlaubsquartier zu finden und ihr Urlaubsziel ohne größere Staus zu erreichen“, so Sellering.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen