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Greifswalder Sperrwerk in Betrieb : „Küstenschutz der Superlative“

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Wenn die Flut kommt, schützt ein Sperrwerk künftig Greifswald vor Schäden. Das größte Küstenschutzbauwerk in MV ist in Betrieb gegangen. Dennoch ist die Freude getrübt.

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2016 | 06:30 Uhr

Kommt die Flut, geht in Greifswald künftig die Klappe hoch: Ein Sperrwerk und ein Deichsystem schützen die Hansestadt bei gefährlichen Nordost-Stürmen vor einem Sturmhochwasser aus dem Greifswalder Bodden. Nach fünf Jahren Bauzeit ist am Mittwoch an der Flussmündung des Rycks das 42 Millionen Euro teure Küstenschutzsystem in Betrieb genommen worden. Dies sei Küstenschutz der Superlative, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD). Das Sperrwerk mit seinem auf dem Flussgrund liegenden Drehsegment, das bei Flutwarnungen nach oben geklappt wird, sei das anspruchsvollste Küstenschutzprojekt in Mecklenburg-Vorpommern. „Langfristig ist das Sperrwerk ein Garant für die Sturmflutsicherheit von Greifswald.“ Nach einer Studie der Universität Karlsruhe wäre bei einer extremen Sturmflut rund ein Drittel des Stadtgebietes überflutungsgefährdet.

Schätzungen zufolge wird der Bau ein Schadenspotenzial von 300 Millionen Euro in und um Greifswald verhindern. Bereits vor 80 Jahren war - unter dem Eindruck schwerer Sturmfluten von 1872, 1904 und 1913 mit mehreren Toten - ein Sperrwerk für Greifswald geplant worden. Doch für die Umsetzung fehlte das Geld. Vor 20 Jahren begannen die konkreten Planungen für dieses Projekt, das nun mit drei Jahren Verzögerungen in Betrieb ging und auch deutlich teurer als geplant wurde.

Allein das Sperrwerk kostete nach Angaben des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) 32 Millionen Euro und damit sechs Millionen mehr als veranschlagt. Teurer wurde aufgrund des schwierigen Baugrundes auch das 2,3 Kilometer lange Deichsystem, das sich dem Sperrwerk anschließt. „Das Projekt ist ein Unikat. Die Bauteile dafür bekommt man nicht aus der Schublade“, begründete Backhaus die Entwicklung.

Greifswalds Bausenator Jörg Hochheim (CDU) bezeichnete die Inbetriebnahme als einen „guten Tag für Greifswald“. Die Greifswalder würden Starkwinden aus Norden nun gelassener entgegensehen. Dennoch ist die Freude nicht ungebrochen. So stellte sich heraus, dass Spüldüsen auf der Bodenplatte die Durchfahrt für Schiffe beschränken und der Traditionssegler „Greif“ seinen Heimathafen nicht mehr anlaufen kann. Die Düsen sollen nach Angaben des StALU im Herbst gekippt werden, um eine Tiefe von 3,95 Meter zu erreichen.

Ursprünglich sollte das Sperrwerk eine Sohltiefe von vier Meter haben.   Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Stralsund hat der Stadt mitgeteilt, dass die „Greif“ ihren angestammten Liegeplatz nie wieder verlässlich erreichen werde, sagte der Leiter der Behörde, Holger Brydda. Die Stadt will den Liegeplatz für das Schiff nun vor dem Sperrwerk einrichten.

Wegen einer zusätzlichen Versandung des Flusses Ryck vor dem Sperrwerk legte das WSA die Durchfahrtstiefe auf aktuell 2,80 Meter fest, so dass Schiffe des Greifswalder Jachtenbauers HanseYachts derzeit nur mit Sondergenehmigung den Ryck passieren können.

HanseYachts hat mehr als 600 Beschäftigte in Greifswald, dort werden zunehmend größere Jachten mit einem Tiefgang von bis zu 3,10 Meter gebaut. Voraussichtlich in der 2. Jahreshälfte soll der Ryck auf mehrere Kilometer Länge bis zum HanseYachts-Gelände auf vier Meter vertieft werden.

Landesweit wurden laut Backhaus seit 1990 mehr als 380 Millionen Euro in den Küstenschutz in Mecklenburg-Vorpommern investiert. Erheblichen Handlungsbedarf gebe es unter anderem in Rostock, Prerow, Ueckermünde, Peenemünde und Karlshagen. Aktuell stehen jährlich insgesamt etwa 18 Millionen Euro für Küstenschutzmaßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung. 

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