Wirtschaft : Krise schlägt auf Messe durch: Keine Milchkühe auf der MeLa

Die Milchviehhalter zeigen ihre besten Tiere in diesem Jahr nicht auf der Agrarmesse MeLa. Sie wollen damit auf ihre bedrohten Existenzen durch niedrige Preise aufmerksam machen.

svz.de von
11. August 2016, 21:00 Uhr

Die Krise in der Milchwirtschaft schlägt in diesem Jahr auch auf die Agrarmesse MeLa durch: Auf der Ausstellung in Mühlengeez bei Güstrow werden im September die Milchkühe fehlen.

Wie der Präsident des Landesbauernverbandes, Detlef Kurreck, am Donnerstag in Roduchelstorf in Nordwestmecklenburg sagte, wollen die Milchviehhalter darauf aufmerksam machen, dass ihnen Zeit und Geld für den Messeauftritt fehlen. Sie leiden unter anhaltend niedrigen Preisen für die Milch, die ihre Kosten schon lange nicht mehr decken.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) äußerte Bedenken darüber, dass die Milchbauern den Leistungswettbewerb ausfallen lassen. Er habe aber auch Verständnis. Der Minister kündigte an, dass die EU 150 Millionen Euro als Entschädigung für die Reduzierung der Milchmenge bereitstellen werde. Die Bauern sollen Geld für jeden nicht erzeugten Liter Milch erhalten. Das könnten drei Monate lang bis zu 14 Cent je Liter sein, die weniger als im Vorjahr abgeliefert würden. So soll die Milchproduktion in der EU um eine Million Tonnen sinken.

Kurreck zeigte sich wenig optimistisch: „Ich warne vor der Illusion, dass wir so die Milchkrise überwinden können“, sagte er. Die Teilnahme an dem Programm sei nicht verpflichtend. So würden manche Milchbauern sicher Vollgas geben, so dass die Milchmenge nicht weniger werde.

Bei den Tierschauen würden auf der MeLa in diesem Jahr dennoch alle Tiere in 180 verschiedenen Rassen gezeigt, sagte Backhaus. Von den Milchviehrassen würden Jungtiere gezeigt. Wie die Geschäftsführerin des Messe- und Ausstellungszentrums Mühlengeez, Christin Weinhold, sagte, werden wiederum rund 1000 Aussteller erwartet. Erstmals gebe es 13 Gastländer. Neu seien Finnland mit Ausstellern von Bodenbearbeitungstechnik und Nepal, unter anderem mit Tee.

Der Bauernverband sucht nach den Worten Kurrecks auf der Messe den Dialog mit den Verbrauchern. Sie sollten sehen, dass die Landwirtschaft trotz der aktuellen Krisen leistungsfähig sei. Mit der diesjährigen Ernte habe sich die Hoffnung vieler Landwirte zerschlagen, die Einbußen bei Milch und Schweinefleisch mit Getreide und Raps auszugleichen. Es werde mit 25 bis 30 Prozent Ertragsausfällen bei sinkenden Marktpreisen gerechnet.

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