Personalquerelen im Wald : Krach um Chef-Förster im Land

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Backhaus will Wechsel in Landesforstanstalt

svz.de von
30. September 2015, 08:00 Uhr

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gerät wegen der von ihm durchgedrückten Neubesetzung des Chefpostens der Landesforstanstalt unter Druck. Backhaus will den seit 2006 auf dem Posten sitzenden fachlich anerkannten Anstaltschef Sven Blomeyer offenbar gegen seinen Forst-Referatsleiter und Gefolgsmann im eigenen Haus, Manfred Baum, austauschen lassen – gegen den Willen des Koalitionspartners. Vor Monaten soll Backhaus mit seinen Personalplänen im Koalitionsausschuss angeeckt sein. Wie es hieß, will die CDU Blomeyer wegen seiner fachlichen Kompetenz im Amt halten.

Nun gerät Backhaus wegen des angewandten Auswahlverfahrens in Bedrängnis. Kritikern zufolge soll die Auswahlprüfung bewusst zugunsten Baums gesteuert worden sein. Im Umfeld des Ministeriums ist davon die Rede, dass die Fragen für das Auswahlverfahren im unmittelbaren Umfeld Baums erarbeitet worden sein sollen. Schließlich habe Baum das Rennen gemacht, obwohl Fachleute in der Forstverwaltung Blomeyer für fachlich überlegen halten. Ein „fragwürdiges Verfahren“, hieß es in Forstkreisen. Zumal Backhaus dem 51-jährigen Blomeyer bislang stets wegen seiner Fachkompetenz und den guten Betriebsergebnissen der Landesforstanstalt gute Arbeit bescheinigt hatte. So war vor fünf Jahren noch bei der turnusmäßig anstehenden Besetzung des Chefpostens die Vertragsverlängerung Blomeyers im Verwaltungsrat einfach durchgewunken worden. 2006 hatte Backhaus bei der Einstellung Blomeyers dem Anstaltschef bescheinigt, „dass er eine Forstverwaltung erfolgreich führen kann“.

Inzwischen scheint der Forstmann beim Minister aber in Ungnade gefallen zu sein: Offenbar, weil er zu sehr auf die Eigenständigkeit der Anstalt gepocht haben soll, während Backhaus immer wieder reinregieren wollte. Dabei hatte der Landtag der Forstanstalt bei ihrer Gründung 2006 Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zuerkannt. Kreisen zufolge soll auch Blomeyers straffer, zu wenig an den Mitarbeitern orientierter Führungsstil, der manchen Kollegen an seine Bundeswehr-Zeiten erinnert haben soll, und die mangelhafte Zusammenarbeit mit dem Personalrat zunehmend auf Kritik gestoßen sein.

Backhaus schweigt indes: Weder er noch sein Staatssekretär Peter Sanftleben wollten sich gestern zu den Vorwürfen äußern. Eine Sprecherin wies die Vorwürfe lediglich als „absurd“ zurück.

Die Personalquerelen sorgten derweil auch im Verwaltungsrat für Streit: Eine für Dienstag erwartete Entscheidung des Gremiums wurde vertagt, hieß es gestern. Im Verwaltungsrat war Stillschweigen vereinbart worden. 

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