Öko-Branche : …Kontrolle ist besser

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Der Bio-Markt boomt, doch der Verbraucher hat nicht automatisch mehr Vertrauen in die Produkte – die EU reagiert

svz.de von
25. März 2014, 11:56 Uhr

Wenn Kunden beim Einkaufen zu „bio“ greifen, zählt Vertrauen. Verbraucher wollen sicher sein, dass wirklich drin ist, was Siegel auf der Verpackung versprechen. Die Rechtsvorgaben für Europas Öko-Erzeuger will die EU-Kommission jetzt neu fassen.

Was schlägt die EU-Kommission genau vor?

Geplant sind schärfere Vorgaben und strengere Kontrollen für die Öko-Branche. Brüssel will die Zahl der Ausnahmen reduzieren. Bislang dürfen Biobauern etwa auch konventionelles Futter oder Saatgut verwenden, wenn es kein entsprechendes Bioangebot gibt. Erwogen werden auch strengere Grenzwerte für Verunreinigungen durch Pestizide oder gentechnisch veränderte Produkte. Zudem sollen alle Bioprodukte strengerer Kontrolle unterliegen – vom Anbau bis zum Laden.

Wie werden Bio-Produkte kontrolliert?

Für den Biomarkt gibt es in Deutschland ein Netz aus 18 privaten Kontrollstellen. Zugelassen und überwacht werden sie von den Ländern, die für Lebensmittelsicherheit zuständig sind. Bio-Höfe schließen mit diesen Stellen Verträge und verpflichten sich auf die Einhaltung der Vorschriften. Mindestens einmal im Jahr stehen Prüfungen bei Bauern, Verarbeitern und Importeuren an. An diesem System wird immer wieder Kritik laut. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) mahnte erneut ein bundesweit einheitliches Vorgehen an.

Was sagen deutsche Bio-Produzenten zu den EU-Plänen?

Die Ökobranche warnt davor, das EU-Regelwerk komplett umzuschreiben und abrupt zu verändern. Viele Höfe hätten zum Beispiel erst in neue tiergerechte Ställe investiert, argumentierte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Der Öko-Beauftragte des Bauernverbands, Heinrich Graf von Bassewitz, mahnte, Vorgaben wie „100 Prozent“ bio im Endprodukt seien unrealistisch. So könne Dioxin aus dem Verkehr über die Luft ins Gras kommen, das Tiere fressen. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren befürchtet, der Ökoanbau könnte sogar zugunsten konventioneller Produktion mit allen Problemen zurückgedrängt werden.

Wie wichtig ist der Bio-Markt inzwischen?

In Deutschland vergrößerte sich der Anteil der biologisch bewirtschafteten Felder 2012 um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent der gesamten Ackerfläche. In den Geschäften legte der bundesweite Umsatz mit Bio-Lebensmitteln dagegen 2013 um 7,2 Prozent auf mehr als 7,5 Milliarden Euro zu – auch wegen höherer Preise.

Wie geht es mit den EU-Plänen weiter?

Heute will EU-Kommissar Ciolos seine Pläne öffentlich vorstellen. Das Konzept wird nur dann Gesetz, wenn Europaparlament und EU-Ministerrat zustimmen. Aus dem Parlament gibt es aber bereits Kritik.



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