Energiewende in MV : Kommunen setzen auf Solarstrom

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses der kommunalen Selbstverwaltung in Schwerin.
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses der kommunalen Selbstverwaltung in Schwerin.

Bei Energiewende schreiten Städte und Kreise beherzter voran als Land

svz.de von
08. September 2015, 08:00 Uhr

Bei der Umsetzung der Energiewende schreiten Kommunen und Kreise im Land zuweilen beherzter voran als die Landesregierung. Sie verpachten Dächer von Schulen und Amtsgebäuden an Betreiber von Solaranlagen oder werden selbst zu Stromproduzenten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Es ist zwar schwerer geworden, mit Solarstrom Geld zu verdienen. Aber wenn man den selbst produzierten Strom zur Eigenversorgung nutzt, wird es schon wieder interessant“, beschreibt Arp Fittschen, Energieexperte des Städte- und Gemeindetages, die Situation nach der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mit deutlich geringerer Einspeisevergütung. Auch der Kommunalverband selbst hat gerade eine Solaranlage auf dem Dach seines Bürohauses in Schwerin installieren lassen.

In Friedland (Mecklenburgische Seenplatte) ist die Stadt eine Kooperation mit einem Projektentwickler aus Berlin eingegangen. Seit etwa einem Jahr liefern Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden Strom, der im Feuerwehrgerätehaus, in der Grundschule und im stadteigenen Volkshaus auch gleich genutzt wird. „Statt Strom teuer einzukaufen, produzieren wir ihn selbst“, sagt Bürgermeister Wilfried Block. Laut Vertrag bringe dies Kostenersparnisse von mindestens zehn Prozent.

Noch höher wäre der Nutzen, wenn der überschüssige Solarstrom nicht zu den Einspeisevergütungen ins Netz abgegeben würde, sondern im städtischen Freibad zum Betrieb der Umwälzpumpen eingesetzt werden könnte. Denn diese würden sehr viel Strom verbrauchen. „Leider ist das gesetzlich bislang nicht möglich“, sagt Block, nach dessen Angaben die Idee für die kommunale Beteiligung an der Solarstromproduktion aus dem Bauausschuss der Stadtvertretung kam. „Das waren rein wirtschaftliche Überlegungen. Nun sind wir gespannt auf die erste Jahresabrechnung“, sagt der Bürgermeister.

Auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim will unter die Stromproduzenten gehen und kauft dafür in Sternberg und Lübz zwei Turnhallen mit großen Dachflächen. Die dort installierten Solaranlagen sollen Strom für die Schulen liefern und die Energiekosten senken. Das Innenministerium gab Mitte August grünes Licht für das Projekt. Crivitz verpachtet schon seit Jahren das Dach der Grundschule an den Betreiber einer Solaranlage. „Diese Beispiele zeigen, dass man in den Kommunen sehr wohl in der Lage und willens ist, die Energiewende voranzubringen und für sich gewinnbringend zu nutzen“, stellt der Grünen-Abgeordnete Johann-Georg Jaeger fest. Ähnliches Engagement vermisst er bei der Landesregierung. „Obwohl sie die Vorzüge des Ökostroms preist und darin große wirtschaftliche Potenziale für das Land sieht, hält sie bei der Nutzung ihrer Gebäude den Fuß auf der Bremse. Das ist alles andere als Vorbildwirkung“, beklagt Jaeger. Fadenscheinige Argumente des Denkmalschutzes würden als Gründe vorgeschoben, weshalb auf Ministerien und Behördengebäuden keine Solaranlagen errichtet werden.

Laut Landesregierung sind 13 500 Quadratmeter Dachfläche auf Landesimmobilien prinzipiell für das Aufstellen von Solaranlagen geeignet. Etwa ein Zehntel davon werde bislang auch genutzt.

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