Wirtschaft : Klagewelle nach P+S-Werftenpleite

Kräne auf der insolventen Volkswerft in Stralsund
Kräne auf der insolventen Volkswerft in Stralsund

Frühere Eigner gehen gegen Wirtschaftsprüfer KPMG vor, Insolvenzverwalter Brinkmann gegen die P+S-Chefs

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12. Juni 2015, 08:00 Uhr

Die P+S-Pleite wird ein Fall für die Gerichte: Neben der Hegemann-Gruppe, die seit gestern in Hamburg klagt, geht auch der Insolvenzverwalter der P+S-Werften, Berthold Brinkmann, gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG vor. Brinkmann kündigte gestern zudem eine Schadenersatzklage gegen KPMG an. Die Entscheidung sei mit Zustimmung des Gläubigerausschusses der P+S-Werften gefallen. Bei der Klage, die sich auf drei Gutachten stützen werde, gehe es um Forderungen von „mehr als 100 Millionen Euro“, sagte Insolvenzverwalter Brinkmann. Die Klage, die sich laut Brinkmann auch auf Erkenntnisse des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses  und der Staatsanwaltschaft stützt, soll im September entweder am Landgericht Hamburg oder Berlin eingereicht werden.

Die hochverschuldeten P+S-Werften mit 1750 Mitarbeitern mussten im Sommer 2012 Insolvenz anmelden. Unter dem Strich rechnet Brinkmann mit Verlusten von „weitweit mehr“ als 500 Millionen Euro. MV entstand durch Bürgschaftsausfälle ein Schaden von 270 Millionen Euro.

Schon 2009/2010 standen die Werften in Wolgast und Stralsund am Abgrund. Die Wirtschaftsprüfer KPMG hatten das Unternehmen jedoch als sanierungsfähig eingestuft, worauf sich die Landesregierung für die weitere Unterstützung der Werften entschied. Wäre es 2010 zur Insolvenz gekommen, hätten die Verbindlichkeiten bei 200 Millionen Euro gelegen, so Brinkmann.

Den KPMG-Prüfern wirft Brinkmann auch ein mangelhaftes Finanzcontrolling vor. Das Gericht muss prüfen, ob KPMG zu einer Vertiefung der Überschuldung beigetragen hat. Laut Brinkmann kommen drei Gutachten zu dem Schluss, dass das KPMG-Gutachten größere Fehler aufwies. Das Land prüft ebenfalls, ob es Klage gegen KPMG einreicht, hat aber einem Sprecher zufolge noch nicht entschieden. Die Landtagsopposition von Linken und Grünen forderten gestern das Land auf, Schadensersatzansprüche gegen KPMG geltend zu machen.

Seit gestern verhandelt das Landgericht Hamburg über eine Schadenersatzklage des früheren Eigners, der Hegemann-Gruppe, gegen KPMG. Die Hegemann AG beziffert laut NDR die Schäden auf über 168 Millionen Euro. Der 82-jährige Hegemann musste 2009 wegen der Schieflage der Schiffbaubetriebe 93 Prozent seiner Anteile an die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft abtreten.

Beklagt werden von Brinkmann auch die Ex-Geschäftsführer der P+S-Werften, Dieter Brammertz und Siegfried Crede. Brinkmann reichte am 24. März Klage gegen die P+S-Chefs ein. Ihnen wird vorgeworfen, ihre Pflichten verletzt zu haben, indem sie den Vertrag über den Bau der Scandlines-Fähren fehlerhaft abgeschlossen und den Bau unzureichend überwacht hatten, bestätigte ein Gerichtssprecher. Konkret fordert Brinkman 106 Millionen Euro von den beiden Firmenchefs, für die es laut Stralsunder Landgericht nur eine Vermögenshaftpflicht von 40 Millionen Euro gibt.

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