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Pleite P+S-Werften : Klage des Insolvenzverwalters gegen P+S zugelassen

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Mühsam schreitet die Aufarbeitung der Pleite der P+S-Werften voran. Insolvenzverwalter Brinkmann erzielt Teilerfolg

svz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 20:30 Uhr

Im Rechtsstreit um die Gültigkeit des Jahresabschlusses der P+S-Werften aus dem Jahr 2010 hat Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann einen Teilerfolg erzielt. Das Landgericht Stralsund ließ am Montag mit einem Zwischenurteil die Klage Brinkmanns zu. Demnach ist Brinkmann berechtigt, gegen die von ihm als Insolvenzverwalter vertretenen P+S-Werften zu klagen, wie der Vorsitzende Richter, Siegfried Imkamp, am Montag sagte. Brinkmann war gegen die Werften vorgegangen, weil er ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer KPMG aus dem Schlüsseljahr 2010 für fehlerhaft hält. Demnach sei die Stralsunder Volkswerft überbewertet in die Verschmelzung mit der Wolgaster Peene-Werft gegangen. Brinkmann will deshalb den Jahresabschluss für nichtig erklären lassen.

Im August 2012 hatte die damalige P+S-Geschäftsführung beim Amtsgericht Stralsund Insolvenz für die Werften mit einst 1750 Mitarbeitern angemeldet. Das Land hat durch die Pleite rund 270  Millionen Euro verloren.

Die Rechtskonstellation ist ungewöhnlich, dass der Vertreter eines insolventen Unternehmens gegen dieses klagt. Die Anwälte der P+S-Werften hatten deshalb dafür plädiert, die Klage nicht zuzulassen. Wie das Gericht deutlich machte, ist der Insolvenzverwalter aber grundsätzlich verpflichtet, einen fehlerhaften Abschluss anzufechten. Das gilt auch dann, wenn es keinen handelsrechtlichen Bilanzierungszweck wie Gewinnermittlung oder Bemessung von Dividenden gibt, erklärte das Gericht.

Gegen das Zwischenurteil können die Anwälte der P+S-Werften Berufung einlegen. Damit könnte sich eine Entscheidung in der Sache - also über die Nichtigkeit des Jahresabschlusses - noch hinziehen.

Laut Brinkmann hatte KPMG in dem Gutachten zur P+S-Verschmelzung am 26. Mai 2010 festgestellt, dass die Stralsunder Werft einen Ertragswert von 168,4 Millionen Euro und einen Sachwert von 130 Millionen Euro gehabt haben soll. Inmitten der Werftenkrise seien diese Werte unrealistisch, zumal zwei gleichwertige Werften in Wismar und Warnemünde im Sommer 2009 mit 40 Millionen Euro verkauft worden waren, führte Brinkmann in der Verhandlung im November aus.

Die aus Sicht der Insolvenzverwaltung nicht gerechtfertigte Bewertung der Stralsunder Werft hatte möglicherweise Auswirkungen auf dringend benötigte 326 Millionen Euro Kredite, die den Bestand der P+S-Werften erst ermöglichten. So könnte erst durch die Höherbewertung der Werft die erforderliche Eigenkapitalquote für die Vergabe der Kredite erreicht worden sein.

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