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Volkswerft Stralsund : Keine maritime Zukunft?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landespolitik sieht die Perspektiven der insolventen Volkswerft in Stralsund nicht im Schiffbau

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 16:57 Uhr

Die Landespolitik verabschiedet sich offenbar von der Vorstellung, der Schiffbau in Stralsund könne erhalten werden. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagte heute im Landtag, für den Kauf von Flächen aus der insolventen Volkswerft stünden Interessenten aus der nicht maritimen Industrie bereit, mit denen gesprochen werde. Sie wollten derzeit nicht namentlich genannt werden.

Der bislang einzige Bieter aus der Schiffbaubranche, Nordic Yards, hat Glawe zufolge bislang keinen Finanzierungsnachweis für sein Angebot erbracht. Dasselbe gelte für den Windkraft-Investor New Global Wind, der in Stralsund Windräder fertigen will. Zudem versuche eine Gruppe um den Ex-Vulkan-Chef Friedrich Hennemann, ein deutsch-französisches Bieterkonsortium zusammenzubringen. Bislang habe Hennemann aber trotz mehrmaliger Aufforderung keine Namen nennen können. Die Verkaufsentscheidung für die Volkswerft soll bis Mai fallen, wenn mit der zweiten Fähre für die Reederei DFDS der letzte Schiffbauauftrag abgearbeitet sein wird.

In der folgenden Landtagsdebatte über die Perspektiven des Schiffbaustandorts Stralsund lenkten auch Redner der Regierungsfraktionen SPD und CDU den Fokus überraschend deutlich auf den nicht maritimen Bereich. In der Branche gebe es offenbar kein Interesse, zusätzliche Werftkapazitäten aufzubauen, sagte der Schiffbauexperte der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte. „Bevor ich einen schlecht laufenden Werftenstandort Stralsund habe, dann lieber einen funktionierenden Industriestandort mit dem Schwerpunkt Metall.“ Ihm seien 300 bis 400 nicht maritime Arbeitsplätze lieber als 50 bis 60, die irgendein potenzieller Werftanbieter verspreche.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Vincent Kokert bekannte: „Im Moment sieht es für den Standort Stralsund schlecht aus, was Schiffbau angeht.“ Hauptziel der Politik sei es, am dem Standort möglichst viele Industriearbeitsplätze zu schaffen beziehungsweise zu erhalten.

Zur unmittelbar bevorstehenden Entscheidung der Gläubiger über den Verkauf der halbfertigen Fähren für die Reederei Scandlines wurde deutlich, dass in jedem Fall der Bieter mit dem besseren finanziellen Angebot den Zuschlag erhalten wird. Bieter sind Scandlines selbst sowie Nordic Yards. Beide haben dem Vernehmen nach etwa 30 Millionen Euro geboten – das ist deutlich weniger als der Bau bisher gekostet hat.


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