Landwirtschaft : Kein Stress am Trog

Bei der sogenannten Aufruffütterung werden die Tiere per Lautsprecher an den Trog gerufen. Der namentliche Aufruf der Tiere zur Fütterung könne dazu beitragen, dass unerwünschte Stresssituationen am Futtertrog verhindert werden.
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Bei der sogenannten Aufruffütterung werden die Tiere per Lautsprecher an den Trog gerufen. Der namentliche Aufruf der Tiere zur Fütterung könne dazu beitragen, dass unerwünschte Stresssituationen am Futtertrog verhindert werden.

In Rostock werden Schweine namentlich aufgerufen, bevor es Futter gibt. Das soll für weniger Aufregung sorgen. Der Bund finanziert das Projekt mit 250 000 Euro.

svz.de von
04. Juli 2015, 07:30 Uhr

Etikette im Schweinestall: Im Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock wollen Forscher Schweinen Manieren beibringen. In dem Stall werden die Borstenviecher mit einem eigenen Tonsignal per Lautsprecher namentlich aufgerufen, ehe es Futter am Trog gibt. Dadurch sollen Stresssituationen bei der Fütterung verhindert werden. Bereits seit zwölf Jahren forschen die Wissenschaftler an dem Projekt.

Für ein neues System zur Fütterung von trächtigen Schweinen erhält das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf bei Rostock eine Förderung vom Bund in Höhe von 250 000 Euro. Damit soll die so genannte Aufruffütterung zur Marktreife geführt werden, sagte der Sprecher des Leibniz-Instituts, Norbert Borowy.

Der namentliche Aufruf von Schweinen zur Fütterung könne dazu beitragen, dass unerwünschte Stresssituationen am Futtertrog verhindert werden. „Die Tests der Wissenschaftler laufen seit zwölf Jahren“, sagte Borowy. Die Zuchtsauen würden über ein automatisiertes System zum Fressen aufgerufen und in eine Futterstation gelockt. Übliche Stresssituationen bei der konventionellen Haltung seien Unruhe und Gedränge beim Beginn der Fütterung, Stress und Verletzungen durch Zweikämpfe am Stationszugang oder durch nachdrängende Sauen. Mit der Aufruffütterung, also dem gezielten Ruf nach einzelnen Tieren, könne dies verhindert werden. Gleichzeitig könne der Alltag der Tiere damit spannender gestaltet werden. Die Ergebnisse sind bislang vielversprechend.

Das System der Aufrufstation eignet sich nur für Zuchtsauen, weil die mehrere Jahre alt werden. Bei Mastschweinen, die mit wenigen Monaten geschlachtet werden, rentiert sich das aufwändige Lernprogramm nicht.

Das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie entstand 2009 aus dem Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN). Aktuell sind dort den Angaben zufolge rund 230 Mitarbeiter beschäftigt, davon 60 Wissenschaftler aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Biologie, Tiermedizin, Chemie, Biochemie, Physik und Mathematik. Hinzu kommt eine wechselnde Zahl so genannter Drittmittelstellen.

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