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Kein schwarzer Mann aus Berlin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

168 Kehrbezirke in MV nach europaweiter Ausschreibung vergeben / Monopol aufgehoben – Preiswettbewerb blieb aus

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2014 | 12:18 Uhr

Keine Chance für Schornsteinfeger aus Spanien, Italien oder auch Berlin und Brandenburg in MV: Eineinhalb Jahre nach dem Bruch des bisher für Schornsteinfeger auf Lebenszeit geltenden Kehrmonopols Anfang 2013 sind alle 168 Kehrbezirke im Nordosten nach erstmaligen europaweiten Ausschreibungen von den Landkreisen für sieben Jahre neu vergeben worden – an die alten Bezirksschornsteinfeger. Nur auf der Insel Rügen werde die Vergabe von zwei Bezirken noch geprüft, erklärte Heiko Karmoll, Sprecher der Schornsteinfeger-Landesinnung gestern in Güstrow. Die Vergabe sei entsprechend der Eignung, Qualifikation, Befähigung und Berufserfahrung nach einem Punktesystem erfolgt.

Der erwartete Run auf die Kehrbezirke und der Einstieg ausländischer Kaminkehrer auf den deutschen Markt sind indes ausgeblieben. So hätten sich zwar Schornsteinfeger aus Berlin und Brandenburg z. B. um Kehrbezirke an der Ostsee beworben – in Rerik, Kühlungsborn, Graal-Müritz, Boltenhagen und auf Rügen. Ausländische Berufskollegen hätten aber keine Bewerbungen eingereicht, sagte Karmoll, der Schornsteinfeger in Güstrow ist. Für einige Kehrbezirke, vor allem im Ostteil des Landes, habe es ohnehin oft nur einen Bewerber gegeben.

Nach Post und Telekommunikation war auch bei den Schornsteinfegern das Monopol gekappt worden. Bislang hatte jeder Bezirksschornsteinfegermeister sein Gebiet, in dem er konkurrenzlos arbeiten konnte – auf Lebenszeit. Ein Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit, wetterte die EU. Seit Anfang 2013 dürfen auch freie Kaminkehrer überall bestimmte Aufgaben übernehmen – kehren, Emissionsmessungen an Heizungsanlagen, Kontrolle von Lüftungsanlagen. Hoheitliche Aufgaben wie die Feuerstättenschau zweimal innerhalb von sieben Jahren oder die Bauabnahmen bleiben aber in der Hand der Bezirksschornsteinfeger. Alle sieben Jahre müssen die Kehrbezirke aber neu ausgeschrieben werden.

Aufatmen in der Branche: Nach der Liberalisierung des Kehrmarktes hatten die Betriebe in MV Furcht vor wachsender Konkurrenz, Kundenflucht und Preisverfall. Veränderungen sind auf dem Markt aber ausgeblieben: Zwar hätten in der Region Neubrandenburg anfänglich Schornsteinfeger mit Billigangeboten 30 Prozent unter den Marktpreisen geworben, sagte Karmoll. Das könne aber kein Berufskollege auf Dauer durchhalten. Karmoll: „Das hat sich in Luft aufgelöst.“ Die Liberalisierung habe zwar zu mehr Wettbewerb bei der Auftragsvergabe geführt. „Der Wettbewerb der Preise ist aber ausgeblieben“, sagte Karmoll. Trotz freier Kehrwahl haben einer Branchenumfrage in MV zufolge 90 Prozent der Kunden ihrem Schornsteinfeger die Treue gehalten, sagte Karmoll: Für das Schornsteinfegerhandwerk sei die Situation „nicht schlechter geworden“.


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