Kein großer Fang

In MV arbeiten rund 350 hauptberufliche Küsten- und Kutterfischer.  Der wissenschaftliche Rat für Meeresforschung gibt jährlich Empfehlungen an die EU-Fischereikommission, die im Herbst über die Höchstfangmengen  für das kommende Jahr entscheidet.ddp / Kewitz
In MV arbeiten rund 350 hauptberufliche Küsten- und Kutterfischer. Der wissenschaftliche Rat für Meeresforschung gibt jährlich Empfehlungen an die EU-Fischereikommission, die im Herbst über die Höchstfangmengen für das kommende Jahr entscheidet.ddp / Kewitz

Ostseefischer müssen sich erneut auf eine Reduzierung der Fangquoten für Dorsch und Hering einstellen. Der wissenschaftliche Rat für Meeresforschung hat der EU-Fischereikommission empfohlen, die Fangkontingente für Hering 2009 um 40 bis 45, für Dorsch in der westlichen Ostsee um 28 bis 42 Prozent zu reduzieren. Kutter- und Küstenfischer sehen sich in ihrer Existenz gefährdet.

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04. Juni 2008, 11:21 Uhr

Sollte Brüssel der Empfehlung der Wissenschaftler folgen, dann drohe der kleinen Flotte in Mecklenburg-Vorpommern der Ruin, warnte Norbert Kahlfuss, Vorsitzender des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, gestern auf dem Landesfischereitag in Negast.

Aus Sicht der Fischer seien die Erhebungen nicht nachvollziehbar. Denn die Anlandungen in den vergangenen Monaten hätten gezeigt, dass es in der Ostsee seit zwei Jahren reichlich Dorsch gebe. Allein 2007 seien den Kutterbesatzungen 2654 Tonnen Dorsch in die Netze gegangen.

Erschwerend kämen die Rekord-Treibstoffkosten auf die rund 300 hauptberuflich tätigen Fischer hinzu. So hätten sich binnen zehn Jahren die Dieselpreise für die Flotte etwa versechsfacht. Bei derart exorbitant steigenden Preisen mache es vor allem für die kleineren, über weniger Laderaum verfügenden Fahrzeuge kaum noch Sinn, Fanggründe in größerer Entfernung anzusteuern.

Die Umsetzung dieser Empfehlungen würde zu erheblichen wirtschaftlichen Beeinträchtigungen der Fischerei in MV führen, sagte Gerhard Rudolphi. Der für Fischerei zuständige Abteilungsleiter vom Schweriner Agrarministerium sicherte den Fischern Unterstützung zu. Ein Bestandsmanagement lediglich über Quotenkürzungen sei falsch, sagte Rudolphi. Es müsse bei den Ursachen angesetzt werden.

Mit einem rund 35 Millionen Euro teuren Dorschaufzuchtprogramm will das Land den Fischbestand in der Ostsee stabilisieren. Planungen sehen vor, die Anlage voraussichtlich 2009 zu errichten und mit der Abwärme des Steinkohlekraftwerks Rostock zu betreiben. Der erste künstliche Dorschnachwuchs könnte frühestens 2010 in der Ostsee ausgesetzt werden. Noch sei allerdings offen, ob das Geld wie geplant für das Projekt investiert werden kann. Grund seien noch bestehende Zweifel am wissenschaftlichen Erfolg des Projektes.

Nach einem erneut milden Winter blicken die Küsten- und Kutterfischer auf eine gute Heringssaison zurück. Im Frühjahr seien 13 500 Tonnen Hering abgefischt worden, so das Agrarministerium. Damit seien 4,2 Millionen Euro Erlöse erzielt worden.

Das vergangene Fangjahr bewertete der Verband insgesamt als gut. Mit rund 18000 Tonnen Fisch landeten die Fischer zwar 3700 Tonnen weniger an als im Rekordjahr 2006. Doch standen aufgrund gestiegener durchschnittlicher Kilopreise von 0,57 auf 0,64 Cent am Ende Erlöse im Gesamtumfang von 11,6 Millionen Euro zu Buche, nur etwa 800000 Euro weniger als 2006.

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