Kavelstorfer machen Druck

Firmenchef Kai Pockrandt (l) und der Drucker Markus Jamm begutachten in der Spezialdruckerei.<foto>dpa</foto>
Firmenchef Kai Pockrandt (l) und der Drucker Markus Jamm begutachten in der Spezialdruckerei.dpa

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29. Juli 2010, 06:12 Uhr

Rostock | Welcher "E"-Farbstoff steht wofür, welches Konservierungs- oder Verdickungsmittel kann bei Allergikern womöglich heftige Nebenwirkungen auslösen? Bei der Lebensmittel-Kennzeichnung kennen die EU und die deutschen Gesundheitsbehörden kein Pardon. Die für Mecklenburg-Vorpommern so wichtige Nahrungsmittelindustrie muss sich auf den immensen Zuwachs an Verbraucherinformationen einstellen.

Entsprechend steigen die Anforderungen an die Etiketten-Produktion. Die Kavelstorfer Spezialdruckerei Pockrandt will vom Trend zur Transparenz profitieren - und nebenbei möglichem "Etikettenschwindel" vorbeugen helfen. Das 1991 in dem südlich von Rostock gelegenen Ort gegründete Unternehmen hat erst kürzlich einen Millionenbetrag in eine hochmoderne Rollen-Offset-Maschine investiert. Nach eigenen Angaben erhöhte sich die Kapazität für die Herstellung der Inhalts- Sticker nach EU-weit geregelten Standards damit um ein Fünftel. Geschäftsführer Kai Pockrandt sieht die kostspielige Technik-Offensive als strategisch angelegtes Vorhaben. Das Unternehmen stelle sich so "den gewachsenen Qualitätsanforderungen insbesondere in der Etiketten-Sparte". Auf Spezialdrucke für die Nahrungsmittel-, aber auch für die Pharma-Industrie entfalle inzwischen die Hälfte der gesamten Produktpalette. Jährlich kämen rund zwei Millionen Quadratmeter bedruckter Etiketten aus Kavelstorf. Drucker Markus Jamm ist zufrieden mit der Qualität der Hightech-Maschine, die der Firmenleitung zufolge die derzeit modernste in Norddeutschland ist. Als eine der ersten Druckereien bundesweit hat Pockrandt seit Beginn 2010 die neue Anlage im Einsatz. Das Besondere daran: Anhand der Daten aus einer "optischen Farbwert-Überwachung" lässt sich die Zusammensetzung des Druckbildes noch während des laufenden Druckprozesses nachregulieren. "Früher wurden dazu Rädchen und Hebel bedient, jetzt muss ich nur noch am Bildschirm drücken", sagt der 30-Jährige und zeigt auf einen flachen Touch-Screen-Monitor.

Die übrigen 50 Prozent der Kavelstorfer Produktion machen unter anderem "selbst durchschreibende" Endlosformulare aus, die zum Beispiel Energieversorger für ihre Kundenabrechnungen verwenden. Pro Jahr verlassen 250 Tonnen dieses Spezialpapiers die Werkhalle. Auch Vater Staat ist bei den mecklenburgischen Experten ein gern gesehener Kunde: Bußgeldbescheide gehören zu den Rennern im Standard-Programm. Der Anteil der Etiketten sei zuletzt kontinuierlich gestiegen, erklärt Marketing-Chef Burkhard Wegner: "Die Ansprüche an Qualität und Informationsgehalt von Etiketten im Food-Bereich werden stetig höher." Der Druck werde immer feiner, gestalterische Elemente und Beschriftungen müssten "haarscharf stimmen". Und: "Blieben früher zwölf Tage Zeit bis zur Lieferung der Etiketten an den Kunden, hat sich diese Frist auf fünf bis sechs Tage verkürzt." Bei Pockrandt werde dies als Chance begriffen, betont Wegner. Der Betrieb mit 30 Mitarbeitern könne flexibel auf derartige Entwicklungen reagieren. Mit ihrer neuen Rollen-Offset-Maschine sind die Kavelstorfer nun auch in der Lage, kleinere "Jobs" mit wenigen Laufmetern auszuführen.

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