IHK-Präsident Hans Thon : Kammern sind transparenter geworden

 Hans Thon
Hans Thon

Mitgliedsfirmen um 1,4 Millionen Euro entlastet

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16. April 2015, 11:32 Uhr

Schwerin Sie organisiert z. B. die Berufsausbildung und erfüllt Aufgaben im Auftrag des Staates: Wenn es sie nicht gäbe, müsste man die Industrie- und Handelskammer neu erfinden, ist Schwerins IHK-Präsident Hans Thon überzeugt. Torsten Roth sprach mit ihm.

25 Jahre freie Kammer in Westmecklenburg mit viel Anerkennung in der bundesweiten Kammerwelt, aber mit einem zu teuren Kammerneubau und heftigem Personalstreit: Wo steht die IHK Schwerin heute?

Thon: Die IHK Schwerin hat sich zu einem modernen Dienstleister für ihre Unternehmen etabliert. Im Zusammenhang mit dem neu errichteten Ludwig-Bölkow-Haus sind strukturelle Reformen durchgeführt und die Beiträge für die Unternehmen deutlich reduziert worden. Die 25  000 Unternehmen der IHK Schwerin sind seit 2008 durch 1 400 000 Euro entlastet worden. Heute verfügt die Kammer über einen schuldenfreien Haushalt.

Sind Kammern noch zeitgemäß?

Ich bin davon überzeugt, dass Kammern nicht nur zeitgemäß sind, sondern auch erfunden werden müssten, wenn es sie nicht gäbe. Sie erfüllen im Auftrag des Staates zahlreiche Aufgaben, die durch das erfolgreiche Modell der wirtschaftlichen Selbstverwaltung umgesetzt werden. So setzen sich Kammern z.B. ganz intensiv dafür ein, dass der Wirtschaft möglichst ausreichende und gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen. Die Duale Ausbildung ist dabei ein Garant für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit.

Mangelnde Transparenz, Zwangsmitgliedschaft: Unter Mitgliedern mischt sich Kritik. Sehen Sie Reformbedarf in der Kammerwelt?

Dass sich Kammern immer wieder selbst hinterfragen und auch reformieren müssen, ist wichtig. Konstruktive Kritik nehmen wir gerne an und auch in Fragen der Transparenz haben wir viel getan. So wird auf der Internetadresse, www.ihktransparent.de, umfassendes Datenmaterial zu den 80 deutschen IHKs dargestellt. Darunter natürlich auch die Haushaltszahlen. Der Haushalt ist die finanzielle Grundlage der gesamten IHK-Arbeit und wird im Übrigen durch die 44 Unternehmensvertreter beschlossen, die in das sogenannte „Parlament der Wirtschaft Westmecklenburgs“, der Vollversammlung, gewählt worden sind.

Die Wirtschaft klagt weniger Bürokratie bei der Stundenabrechnung für den Mindestlohn ein, leistet sich selbst aber drei Selbstverwaltungen in MV: Kommen Fusionspläne wieder auf den Tisch?

Legitim ist es, über alles nachzudenken. Jedoch müssen solche Modelle durch harte Fakten vor ihrer Umsetzung überzeugen. Wir haben gemeinsam mit den Kollegen aus Rostock intensive Gespräche geführt und am Ende entschieden, dass gegenwärtig die Form einer intensiven Kooperation der beste Weg sei, effektiv für die jeweilige Unternehmerschaft zu arbeiten.
 

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