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P+S-Werft in Stralsund : Jussufow garantiert 500 Arbeitsplätze bis 2016

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ende einer Hängepartie: Verkauf der P+S-Werft in Stralsund an Nordic Yards besiegelt / Drei der vier Großwerften des Landes sind nun in der Hand des Russen

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2014 | 21:00 Uhr

Rund 21 Monate nach der Pleite hat die Stralsunder Volkswerft einen neuen Eigentümer. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann und der Eigner von Nordic Yards, Witali Jussufow, unterschrieben den Kaufvertrag, wie beide Seiten gestern in Wismar bekanntgaben. Jussufow garantierte die Zahl von 250 Mitarbeitern bis Ende dieses Jahres. Mindestens 75 Prozent müssen aus dem Kreis der ehemaligen Volkswerft-Beschäftigten stammen, sagte Brinkmann.

Der Kaufvertrag sieht vor, dass bis Ende 2016 weitere 250 Mitarbeiter eingestellt werden. „Das heißt, Ende 2016 wird die Volkswerft wieder mindestens 500 Mitarbeiter in unbefristeten Vollzeitstellen haben“, sagte Brinkmann. Der Vertrag beginnt am 1. Juni. Dann würden in den ehemaligen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast 1000 Menschen arbeiten, mehr als die Hälfte wie vor der Insolvenz. Die 21 Monate Insolvenzverwaltung hätten sich vor diesem Hintergrund gelohnt. „Jetzt wird hier wieder aufgebaut“, sagte er.

Die Landesregierung als größter Sicherungsgläubiger der Werft hatte Ende April Zustimmung zum Verkauf signalisiert, nachdem sich Verhandlungen mit anderen Interessenten zerschlagen hatten. Inoffiziellen Angaben zufolge hat Nordic fünf Millionen Euro für die Werft gezahlt, 1,5 Millionen Euro werden folgen, sobald der Standort Gewinn macht. Nordic werde Betriebsmittel bereitstellen und erheblich investieren. Es soll sich jeweils um Beträge im unteren zweistelligen Millionenbereich handeln.

Nordic werde alle Vertragsdetails erfüllen, sagte Brinkmann. Nach Worten Jussufows liegt ein auf Stralsund zugeschnittenes Konzept vor. Es sehe den Bau großer Anlagen für die Offshore-Windkraft und auch Schiffbau vor. „Ich gehe fest davon aus, dass wir eine gewisse Zeit brauchen werden, die ersten Projekte für den Standort zu organisieren.“ Die Beschäftigungsgarantie sei davon nicht betroffen.

Jussufow zeigte sich davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell der Standorte Wismar und Warnemünde auch in Stralsund funktionieren werde. Nordic beschäftigt derzeit 1250 Mitarbeiter, die Werften seien ausgelastet. Mit Blick auf die aktuelle Krise um die Ukraine sagte Jussufow, dass die Nordic-Yards-Projekte davon nicht beeinflusst seien. „Und ich würde im Moment mit Sicherheit nicht so weit gehen, dass meine Herkunft in der deutschen Marktwirtschaft eine negative Rolle spielen kann.“ Mit dem Verkauf der Volkswerft an Jussufow sind drei der vier Großwerften in MV in der Hand des russischen Unternehmers.

Der ehemalige Volkswerft-Betriebsrat Jürgen Kräplin begrüßte die Übernahme. „Unter den gegebenen Umständen ist das eine sehr erträgliche Lösung“, sagte Kräplin. Das unmittelbar nach der Insolvenz abgesteckte Hauptziel, die Werft als Ganzes erhalten zu wollen, sei erreicht – Voraussetzung dafür, dass neben Stahlbauanlagen in Zukunft auch wieder Schiffe in Stralsund gebaut werden könnten.

„Der Verkauf unterstreicht, dass Nordic Yards Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern hat“, sagte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Jetzt gehe es daran, den maritimen Strukturwandel insgesamt im Land voranzubringen. Dies sei die große Herausforderung für alle Beteiligten. „Ein Anfang ist mit dem heutigen Tag gemacht“, sagte der Minister.


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