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Mindestlöhne im Handwerk : Jüngere Kunden kehren ins Fleischerfachgeschäft zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Branche kündigt Preiserhöhungen an / Generationswechsel in Fachgeschäften

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Beste Aussichten auf gute Geschäfte im Handwerk, Krisenstimmung in der Nahrungsmittelbranche: Mindestlöhne und fehlende Fachkräfte setzen der Branche zu. Doch Fleischerfachgeschäfte haben ihre Position behauptet, meint Landesinnungsmeister des Fleischerhandwerks, Hans-Christian Ockens. Torsten Roth sprach mit ihm.

 

Wo drückt dem Fleischerhandwerk der Schuh?

Ockens: Dem Fleischerhandwerk geht es gut. Von Krisenstimmung kann man nicht sprechen. Die Kunden haben erkannt, dass Fleischerfachgeschäfte, die ein ausgewogenes Angebot fahren, mit der dazugehörigen Frische in der Ware und Fachkompetenz hinter der Theke, ihre Daseinsberechtigung zurückerobert haben. Auch die Regionalität der Produkte wird vom Kunden hoch eingeschätzt. Immer mehr junge Familien schätzen wieder den Einkauf beim Fleischer.

Seit Jahresbeginn gilt ein flächendeckender Mindestlohn: Wie verkraftet ihn die Fleischerbranche?

Die Politik hat sich nun mal in das Lohngefüge eingemischt. Die, die es umsetzen müssen sind die Unternehmer. Entweder werden somit die Betriebsergebnisse 2015 schmaler ausfallen und Investitionen zurückgestellt oder die Preisschraube im Handwerk – speziell im Lebensmittelhandwerk – muss angezogen werden. Mecklenburg-Vorpommern bleibt ein Flächenland mit wenig Einwohnern, da Kaufkraft von Seiten der einheimischen Bevölkerung mit einem Mindestlohn anzukurbeln ist, glaube ich, ist ein Trugschluss. Jeder Unternehmer weiß, wie viel Gewinn er in diesem Jahr mehr erwirtschaften muss, um den Mindestlohn zahlen zu können und liquide zu bleiben. Das zieht automatisch Preiserhöhungen nach sich. Im Lebensmittelhandwerk haben wir noch längst nicht das Preisgefüge und auch nicht das Lohngefüge der westlichen Bundesländer erreicht. In anderen Arbeitsbereichen haben wir aber längst das angeglichene Lohnniveau, nur reicht uns diese Kaufkraft nicht aus, um am Markt zu bestehen. Wir wollen Preise, dass sich jeder Kunde Fleisch und Wurst aus dem Fachgeschäft leisten kann.

Fachkräftemangel herrscht in fast allen Branchen: Wie will das Fleischerhandwerk Berufsnachwuchs für sich gewinnen?

Viele der angestellten Fachkräfte gehen in den nächsten Jahren in Rente – auch der Rente mit 63 geschuldet. Das ist ein Einschnitt, der dem Handwerk nicht gut tut. Die Suche nach geeignetem Personal ist nicht immer leicht. Und so, wie es vom Hauptzollamt in Stralsund im Januar behauptet wurde, ist es schon gar nicht: Wir sind keine Branche in der keine hohen Qualifikationen von Nöten sind, um angestellt zu werden. Wir brauchen gut ausgebildetes Personal, um Lebensmittel herzustellen. Es ist nicht gerade schick in der momentanen Zeit einen Handwerksberuf zu erlernen. Es kann aber auch nicht jeder Superstar, Model oder Sänger werden. Arbeiten ist vielleicht nicht so unterhaltsam wie Castingshows und die Medien sind für’s Handwerk nicht immer bezahlbar, um geeignete Werbung für die junge Generation rüberzubringen.

Schneider, Uhrmacher, Schuhmacher sind schon weg, dem Traditionshandwerk drohen harte Zeiten: Kann das Fleischerhandwerk dem Marktdruck noch standhalten?

Der Deutsche Fleischerverband e. V. hat eine neue Kampagne zur Gewinnung von Berufsnachwuchs gestartet. Wir werben mit unserer Sicherheit, mit einer Ausbildung, die viele Facetten hat. In absehbarer Zeit braucht das Handwerk Nachwuchs in der Führungsebene. An der Wertevermittlung ist dringender Handlungsbedarf in Familien und Schulen, um Spaß an einer Ausbildung – auch für das Fleischerhandwerk – aber auch für das Handwerk im Allgemeinen zu bekommen.



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