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Studie : Jedes dritte Kind von Armut bedroht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anteil armer Kinder im Nordosten doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 21:15 Uhr

In keinem anderen deutschen Flächenland sind Kinder so stark von Armut bedroht wie in Mecklenburg-Vorpommern. Jedes dritte Kind muss wegen geringen Familieneinkommens mit spürbaren materiellen Entbehrungen leben, geht aus einer Studie hervor, die das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut gestern in Düsseldorf veröffentlichte. Urlaub sei nur in Ausnahmefällen möglich, oft fehle Geld auch für Bekleidung. Laut Studie wuchs das Armutsrisiko im Nordosten trotz teilweise guter Lohnabschlüsse sogar wieder an.

Mit 33,5 Prozent lag der Anteil armer Kinder im Jahr 2012 im Nordosten fast doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt, der 18,9 Prozent erreichte. Nur der Stadtstaat Bremen verzeichnete mit 33,7 Prozent einen noch etwas höheren Wert. In Bayern hingegen waren 11,7 Prozent der Kinder von Armut bedroht, stellten die Wissenschaftler des zur Hans-Böckler-Stiftung des DGB gehörenden Instituts fest. Die niedrigste Armutsquote ermittelten die Forscher mit 9,9 Prozent in der Oberpfalz. Überdurchschnittlich hoch dagegen fallen die Quoten in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens aus. In absoluten Zahlen leben die meisten einkommensarmen Kinder in den Regionen Düsseldorf (186 000), Köln (145 000), Arnsberg (143 000) und Berlin (136 000). Damit kommt ein knappes Viertel aller unter der Armutsgrenze lebenden Kinder aus einer dieser Regionen.

Mit durchschnittlich 26,3 Prozent ist die Kinderarmut in Ostdeutschland laut Studie noch immer deutlich höher als im Westen, wo 17,4 Prozent der Kinder unter jeder Einkommensschwelle leben, ab der Wissenschaftler von einer „Armutsgefährdung“ sprechen. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle laut Mikrozensus bei einem Haushaltseinkommen von 1564 Euro im Monat. Das entspricht etwa 60 Prozent des mittleren Netto-Einkommens.

„Im Osten ist die Kinderarmut nicht nur verbreiteter, sondern auch mit größeren Entbehrungen verbunden als im Westen“, erklärte WSI-Sozialexperte Eric Seils. Die Preisunterschiede gegenüber dem Westen - etwa bei Mieten - reichten offenbar nicht aus, um die niedrigeren Einkommen im Osten auszugleichen. Vor diesem Hintergrund verbiete es sich, die relative Armut als unbedeutend abzutun, mahnte Seils. Wichtig für die Armutsbekämpfung sie ein deutlicher Anstieg der Reallöhne in den niedrigen Lohnsegmenten.

„Arme Kinder haben arme Eltern. Da müssen wir ansetzen“, betonte der Schweriner Sozialstaatssekretär Nikolaus Voss. Er zeigte sich überzeugt davon, dass Mecklenburg-Vorpommern in erheblichem Maße vom gesetzlichen Mindestlohn profitieren werde. Nach seinen Angaben wird der Mindeststundensatz von 8,50 Euro rund 265 000 Menschen im Land bis zu 2667 Euro zusätzliches Einkommen im Jahr bringen. Das Bildungs- und Teilhabepaket helfe zudem vielen Kindern und Jugendlichen, für die so unter anderem die Mittagsverpflegung gesichert werden könne. Für die Studie hatten die WSI-Experten zwei statistische Quellen herangezogen: Eine Sonderauswertung des neuesten verfügbaren Mikrozensus' aus dem Jahr 2012 mit Daten aus über 350 000 Haushalten, sowie das Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung für das Jahr 2011.


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