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Industrie- und Handelskammer : Jeder zehnte Euro für Kammerchefs

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach millionenschwerer Belastung durch den Bau des umstrittenen Kammergebäudes will die Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK) bis Jahresende alle Schulden tilgen.

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 07:32 Uhr

Entlastung der Kammerkasse: Nach millionenschwerer Belastung durch den Bau des umstrittenen Kammergebäudes will die Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK) bis Jahresende alle Schulden tilgen. Bis Ende 2014 werde die Kammer schuldenfrei sein, sagte IHK-Präsident Hans Thon. Vor vier Jahren war die IHK Schwerin in das teuerste Kammergebäude des Landes eingezogen. In bester Stadtlage hatte sie gegen Widerstand für 14,4 Millionen Euro den Glaspalast aus dem Boden gestampft. Der Bau hatte die IHK in die bisher tiefste Krise gestürzt und bei der letzten Kammerwahl 2008 drei Viertel der Vollversammlung, dem Präsidenten und später dem umstrittenen Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe die Jobs gekostet. Ursprünglich hatten Thon und die Kammerreformer einen Einzug ins neue Kammergebäude ausgeschlossen, ihm aus Kostengründen dann doch zugestimmt. Ihre wichtigsten Ziele: Beitragssenkungen, mehr Transparenz und Schuldenabbau. Sechs Jahre später wird die Kammer die Kapitallast los: „Wir haben uns wie ehrbare Kaufleute verhalten“, meinte Thon.

Das wird Zeit: Denn mit durchschnittlich 318 Euro verlangt Schwerin landesweit den höchsten Beitrag je zahlendem Kammermitglied, geht aus der IHK-Transparent-Finanzliste des Deutschen Industrie- und Handelskammertages hervor. Auch im Vergleich der 14 ostdeutschen IHK gehört Schwerin zu den teuersten – nur Cottbus, Halle und Suhl verlangen noch höhere Beiträge. 2007 hatte der Beitrag in Schwerin noch bei 363 Euro gelegen. Thon zufolge habe die Kammer die Mitglieder in den vergangenen Jahren mehrmals durch Beitragssenkungen entlastet – siebenmal seit 2005. Allerdings: Die Belastungen für die Firmen fallen in keiner Kammer in MV so unterschiedlich aus wie in Schwerin, der niedrigste Beitrag liegt bei 55, der höchste bei 10 225. Die anderen beiden Kammern schneiden besser ab. Neubrandenburg verlangt im Schnitt 271 Euro bei einer Beitragsspanne von 50 bis 8180 Euro, Rostock 247 Euro – zwischen 35 und 640 Euro.

Das summiert sich: Die drei IHK in MV kassierten aus Beiträgen und Gebühren nach eigenen Angaben 2012 insgesamt 19,4 Millionen Euro. Auch zur Bezahlung der Kammerchefs: Dafür geht in Neubrandenburg fast jeder zehnte Euro drauf – insgesamt 438 945 Euro im Jahr. Die Kammer zahlte ihren fünf Mitgliedern der Geschäftsführung 2012 im Schnitt 87 789 Euro im Jahr – die höchsten Kammergehälter in MV, geht aus einer erstmals veröffentlichten Gehaltsliste der DIHK hervor. Unter den 14 Ost-Kammern zahlen nur noch Leipzig, Erfurt und Potsdam mehr. Schwerin überwies nach eigenen Angaben im Schnitt 83 301 Euro.

Die stärkste Wirtschaftskammer in MV zahlte ihren sechs Mitgliedern der Geschäftsführung indes 81 848 Euro, nur Dresden, Suhl, Magdeburg und Halle geben noch weniger. Auch fürs Alter sorgen die IHK vor – für die Kammerführung. In Schwerin standen im Vorjahr 536 158 Euro Pensionsrückstellungen für einen Anspruchsberechtigten in der Bilanz – der höchste Wert seit acht Jahren Rostock stellte für drei Mitarbeiter 367 101 Euro zurück. Neubrandenburg machte keine Angaben. Die Mitarbeiter gehen leer aus: Für Altersvorsorgezahlungen gibt Schwerin nichts, Rostock 25 235 Euro, keine Angaben in Neubrandenburg.

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