Unzufriedene Bauern : Interview: Ernten geben Anlass zur Sorge

Auch bei der Maisernte liegen die Erträge deutlich unter denen des Vorjahres.
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Auch bei der Maisernte liegen die Erträge deutlich unter denen des Vorjahres.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, über bescheidene Erträge von den Feldern und schlechte Milchpreise

svz.de von
29. Juli 2015, 21:00 Uhr

Die Ernte ist seit Wochen im Gange, aber 2015 wird ein schwieriges Jahr für die deutsche Landwirtschaft. Julian Heißler sprach mit Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, über die Ernte und sinkende Milchpreise.

Wie wird 2015 für die deutschen Bauern?
Rukwied: Die Erntemengen liegen bei allen Kulturen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Die ersten Zwischenergebnisse geben Anlass zur Sorge. Regional sind die Ergebnisse in Abhängigkeit von Bodengüte und Wasserversorgung allerdings sehr unterschiedlich.

Wie sieht es bei anderen Getreidearten aus?
Im Süden sind wir bei der Raps-Ernte schon recht weit. Auch hier liegen die Erträge deutlich unter denen des Vorjahres. Wir erwarten je nach Region ein Minus von fünf bis 20 Prozent. Im Norden sieht es nicht besser aus.

Warum fällt die Ernte diesmal so schlecht aus?
Bei Getreide ist das Wetter für die niedrigen Erträge verantwortlich. Anfang Juni war es in weiten Teilen Deutschlands so trocken wie in den letzten 45 Jahren nicht mehr. Hinzu kam die extreme Hitzeperiode Anfang Juli, die zur Notreife geführt hat. Gleichzeitig plagen uns immer heftigere Gewitter und Unwetter. Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, entwickeln Pflanzen, die extreme Wetterbedingungen besser aushalten. Das dauert allerdings 20 bis 30 Jahre.

Auch der Milchpreis sinkt, sackte jüngst auf nur noch 27 Cent pro Liter ab. Weshalb ist Milch so billig?
Wir befinden uns auf dem Weltmarkt in einer schwierigen Situation. Die weltweite Nachfrage schwächelt beispielsweise in China. Zusätzlich belastet die Bauern das russische Embargo für europäische Agrarprodukte. Es drückt die Preise für Milch, aber auch für andere Produkte wie Schweinefleisch, Obst und Gemüse. Die wirtschaftliche Situation für unsere Bauern ist extrem angespannt.

Was muss passieren, damit der Milchpreis wieder steigt?
Hierzu bedarf es verschiedener Maßnahmen. Die politischen Gespräche zur Lösung der Russland-Ukraine-Krise müssen intensiviert werden – denn es handelt sich um ein politisches Embargo, das den deutschen Bauern Probleme bereitet. Auch ist es erforderlich, das Angebot auf Seiten der Molkereien stärker zu konzentrieren. Mittelfristig müssen wir auf dem Weltmarkt wieder stärker vertreten sein. Der Bauernverband setzt sich deshalb dafür ein, die letzte Superabgabe für Milchbauern in Höhe von 900 Millionen Euro für exportfördernde Maßnahmen einzusetzen, um neue Märkte zu erschließen.

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