zur Navigation springen

Stralsund : Industriepark kostet Millionen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Land muss für Gelände der insolventen Volkswerft Vorleistungen von fast 300 Millionen Euro erbringen / Umweltverbände kritisieren Vorhaben

Der von der Landesregierung geplante maritime Industriepark auf dem Gelände der insolventen Volkswerft und die geplante Vertiefung der 52 Kilometer langen Fahrrinne nach Stralsund erfordern einen großen Einsatz öffentlicher Mittel. Einem Papier aus dem Schweriner Wirtschaftsministerium zufolge sind rund 300 Millionen Euro erforderlich.

Der Kranbauer Liebherr hat Interesse an einer Ansiedlung auf dem Gelände der insolventen Werft gezeigt. Das Papier vom 28. Februar ist an das Bundeskanzleramt gerichtet. Darin heißt es: „Die infrastrukturellen Vorgaben, die Stralsund für eine derartige Ansiedlung im internationalen Standortwettbewerb erbringen müsste, sind [...] so hoch und fallen zum Teil nicht in die Zuständigkeit des Landes, sodass Mecklenburg-Vorpommern sie nur mithilfe des Bundes erfüllen kann.“

Danach sollen die Strommasten im Strelasund von 40 auf 100 Meter angehoben (geschätzte Kosten Land: fünf Millionen Euro), die Fahrrinne von 80 auf 120 Meter verbreitert und von 7,50 auf 9,50 Meter vertieft (geschätzte Kosten Bund/Land: rund 200 Millionen Euro) sowie eine sechs Hektar große Fläche an der Kaikante in Stralsund aufgespült werden (geschätzte Kosten Land: 60 bis 80 Millionen Euro).

Anderen Konzepten zufolge könnte auf eine Verbreiterung verzichtet werden, die Vertiefung würde dann nur 100 Millionen Euro kosten. Die Fahrrinne verläuft durch den Strelasund und den Greifswalder Bodden.

Die Küstengewässer sind FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiete. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, dass die Ausmaße der Investitionen noch nicht feststünden. Laut dem Bundesverkehrsministerium ist die Ausbaggerung nachträglich vom Land für den Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet worden. Ob das Vorhaben aufgenommen wird, gilt als unsicher.

Die Behörde geht von einem langen Planfeststellungsverfahren aus. Experten rechnen mit einer Dauer von fünf, bei Klagen bis zu neun Jahren. Fraglich ist, ob der Kranbauer Liebherr auf eine Entscheidung warten wird. Bislang hält sich das Unternehmen mit einer Konkretisierung zurück. „Liebherr ist auf Expansionskurs“, so Unternehmenssprecher Kristian Küppers. Zum jetzigen Zeitpunkt über Modalitäten für eine Ansiedlung in Stralsund zu sprechen, wäre verfrüht.

Der Umweltverband WWF sieht die Pläne zur Ausbaggerung kritisch. „Das sind Dimensionen, die weit über das Maß einer Unterhaltungsbaggerung hinausgehen“, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. Der Umwelteingriff hätte Strömungsveränderungen zur Folge, große Mengen von Sedimenten würden aufgewirbelt, mit Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt.

Das interne Papier listet weitere neun Millionen Euro auf, die die Energiewerke Nord in Lubmin geltend machen, wenn der Mietvertrag mit Liebherr vorzeitig aufgelöst werden müsste. Mit der Ansiedlung in Stralsund würde Liebherr seine Betriebsstätte in Lubmin aufgeben. Rund 90 Arbeitsplätze würden dort verloren gehen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen