Behörden ratlos : In MV verschwinden Schrottautos spurlos

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Experten vermuten illegale Entsorgung/ Häfen in Rostock und Sassnitz nicht beteiligt

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09. April 2015, 08:00 Uhr

In MV verschwinden jährlich hunderte Schrottautos spurlos: 2014 wurden dem Kraftfahrtbundesamt in Flensburg zufolge im Nordosten 135 244 Personenwagen außer Betrieb gesetzt – ein Teil endgültig stillgelegt und verschrottet. Doch niemand weiß, wo die Altautos abgeblieben sind. Der „Verbleib der in Deutschland endgültig stillgelegten Pkw“ sei „statistisch derzeit nicht vollständig belegbar“, musste die Bundesregierung jetzt in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion eingestehen.

An Autoverwerter in MV werden indes immer weniger Fahrzeuge geliefert, um sie sachgerecht zu verwerten und entsorgen. In seinem Betrieb seien es nur 400 bis 500 jährlich, teilte Dirk Hoffmann, Chef des Autorecyclinghofes Hoffmann und Berger in Schwerin, gestern mit. Als der Staat vor Jahren noch Abwrackprämien zahlte, seien es gut 4000 gewesen. Es gebe zu viele „andere offene Wege“, auf denen teilweise illegal Schrottautos entsorgt würden. Während Autorecycler, wie Hoffmann erklärte, die Entsorgung und Verwertung von Fahrzeugen „lückenlos“ nachweisen könnten, wird Branchenexperten zufolge offenbar ein großer Teil der Schrottwagen und damit der Rohstoffe sowie giftige Substanzen illegal exportiert und entsorgt – teilweise nach Afrika. Genaueres ist nicht bekannt. Allein über den Hamburger Hafen sollen jeden Monat hunderte vermeintliche Gebrauchtwagen verschifft werden. Die Häfen in MV beteiligen sich nicht daran. Derartige Geschäftsmodelle gebe es sowohl in Rostock als auch in Sassnitz nicht, bestätigten Hafensprecher. Die Grünen fordern jetzt Aufklärung: „Es kann nicht angehen, dass Deutschland das Umweltproblem der Entsorgung von Altfahrzeugen weiterexportiert“, kritisierte Peter Meiwald von der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die Behörden sind ahnungslos: So listet die Statistikbehörde Eurostat für das Jahr 2009 in Deutschland 1  778  593 Altfahrzeuge auf. Diese Zahl deckt aber noch nicht einmal den Wert der in jenem Jahr ausgezahlten 1,93 Millionen Abwrackprämien. Dabei muss das Material von Altautos in Deutschland seit 2006 zu 80 Prozent recycelt werden, seit 2015 zu 95 Prozent. Der Bund geht nun auf Spurensuche – mit einem Forschungsprojekt. Das Hamburger Institut Ökopol soll klären, wohin die Autos nach ihrem Ableben verschwinden. Für das Projekt stünden Gesamtmittel von 173  508 Euro zur Verfügung, teilte das Bundesumweltministerium mit.

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