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Gesundheitsmanagement : Impfarzt an der Werkbank

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hightechfirma HNP setzt auf gesunde und zufriedene Mitarbeiter. Wirtschaft in MV baut betriebliches Gesundheitsmanagement auf

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Wohlfühlatmosphäre an der Werkbank: Die Schweriner Hightech-Firma HNP Mikrosysteme baut als eines der ersten kleineren Unternehmen in MV ein professionelles Gesundheitsmanagement in der Firma auf, um so den Unternehmenserfolg weiter zu erhöhen. Geringe Krankenquote und Fluktuation, hohe Mitarbeiterbindung – für HNP-Personalchefin Mirana Hoemcke gehört das betriebliche Gesundheitsmanagement in dem 74-Mann-Betrieb, der mit dem Bau von Mikrozahnringpumpen für die Förderung von kleinsten Flüssigkeitsmengen für Aufsehen sorgte, zur Firmenstrategie: „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter gesund, motiviert und leistungsstark bleiben.“

Inzwischen sei ein betriebliches Eingliederungsmanagement für Langzeiterkrankte aufgebaut worden, um die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter nach langer Krankheit wieder herzustellen. Gesundheit sei „nicht mehr nur Thema des Einzelnen sondern auch Sache des Unternehmens“. Arbeitsplatzcheck, flexible Arbeitszeiten, Mineralwasserversorgung auf Kosten des Unternehmens: Oft seien es kleine Maßnahmen, die große Wirkung haben könnten. Inzwischen komme auch der Impfarzt ins Unternehmen und biete Grippeschutzimpfungen an, so Hoemcke: „Das spart Zeit für die Mitarbeiter und das Unternehmen.“ Jetzt solle der Gesundheitsplan erweitert werden. Massagen, Familienlauf, Gesundheitstage im Unternehmen mit Gemüse- und Obstversorgung sowie Informationsangeboten – eine Entscheidung stehe zwar noch aus. Doch Investitionen in Gesundheitsförderung zahlten sich „mit Sicherheit aus“, meinte Hoemcke: „Die Rechnung geht auf“.

Die Erkenntnis hat sich bei anderen Firmenchefs in MV noch nicht durchgesetzt. Arbeitsdruck, Stress, rauhes Arbeitsklima statt Mitarbeitermotivation, angenehme Unternehmenskultur und Familienfreundlichkeit – die Beschäftigten in MV sind dem Druck immer weniger gewachsen. MV zählte 2013 zu den Bundesländern mit den meisten Krankentagen – im Schnitt fehlte jeder Beschäftigte 17,7 Tage im Job, bundesweit waren es 14,6 Tage, heißt es im DAK-Gesundheitsreport. Angesichts immer älter werdender Belegschaften und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels beginnen Firmenchefs in MV umzudenken – und bekommen Hilfe. Vereinigung der Unternehmensverbände (VU), Gewerkschaftsbund, Krankenkassen, Rentenversicherer, Land und andere Partner haben vor einem halben Jahr das Aktionsprogramm „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ gestartet und eine zentrale Anlaufstelle AGnetz für kleine und mittlere Betriebe eingerichtet. „Wir sind in der Verantwortung, uns um die Arbeitnehmer zu kümmern“, hatte VU-Vize Günther Stolz zum Programmstart erklärt. Defizite gebe es derzeit noch bei der gesetzlich vorgeschriebenen betrieblichen Eingliederungshilfe für Langzeiterkrankte, sagte AGnetz-Koordinatorin Solveig Streuer gestern im Vorfeld des morgigen Gesundheits-Unternehmerforums in Hasenwinkel. Bei den Unternehmern reife aber die Erkenntnis, dass Gesundheitsförderung der Mitarbeiter zum Unternehmenserfolg beitragen könne. Flexible Arbeitszeitmodelle, Fitness- und Massageangebote, Rückenschule: Die Callcenter-Branche sei beim Aufbau eines Gesundheitsmanagements am weitesten. Andere Branchen ziehen jetzt nach. Dabei gehe es nicht um große Investitionen, meinte Streuer. Oft reiche es schon, Arbeitsplätze umzugestalten, die Lichtverhältnisse zu verbessern oder Stehhilfen für Beschäftigte an Maschinen aufzustellen, um das Wohlbefinden zu stärken.

 

 

 

 

 

 

 

 

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