Düstere Aussichten : Immer weniger Küstenfischer

An Bord des Fischkutters Lupo im Boddenhafen von Barth werden am die Heringe aus den Netzen 'gepflückt'. Die Fischer sind zur Heringssaison jeden Tag auf dem Bodden, um die Stellnetze zu leeren.
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An Bord des Fischkutters Lupo im Boddenhafen von Barth werden am die Heringe aus den Netzen "gepflückt". Die Fischer sind zur Heringssaison jeden Tag auf dem Bodden, um die Stellnetze zu leeren.

Hervorragende Heringsfänge, unbefriedigende Dorschfänge: Nach einer guten Saison 2012 ziehen die Fischer für dieses Jahr eine durchwachsene Bilanz. Und die Aussichten für 2014 sind eher düster. Die Zahl der Fischer geht weiter zurück.

svz.de von
16. Dezember 2013, 16:38 Uhr

Die Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern schauen auf eine durchwachsene Fangsaison zurück. Guten Heringsfängen mit hohen Preisen stünden schlechte Dorsch- und Plattfischfänge gegenüber, bilanzierte der Vizechef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Michael Schütt. Der finanzielle Puffer, den die Fischer nach ausgesprochen guten Heringsfängen und -preisen im Frühjahr angelegt hätten, sei im Herbst aufgebraucht gewesen. Die Erlöse werden 2013 nach Einschätzung des Verbandes voraussichtlich wieder unter die Vorjahreseinnahmen von rund 11,1 Millionen Euro sinken.

2012 hatte es erstmals nach einer langen Durststrecke mit Quotenkürzungen eine Fangmengenerhöhung gegeben, was die Erlöse der Fischer ansteigen ließ. Für 2013 wurde die Heringsquote erneut um 23 Prozent angehoben. Dazu kamen stabil hohe Preise in der Stellnetz- und Schleppnetzfischerei. Die Erlöse bei der Abgabe im Sassnitzer Fischwerk lagen für den Schleppnetzhering mit 39 bis 40 Cent pro Kilogramm im Frühjahr sogar um 1 bis 2 Cent über dem Vorjahr. Für den Stellnetzhering mit reifem Rogen zahlte das Fischwerk bis zu 52 Cent pro Kilogramm.

„Alle Fischer haben deshalb auf einen weiteren Aufwärtstrend gehofft“, sagte Schütt. Doch schlechte Plattfischfänge im Sommer und eine ausgesprochen schlechte Dorschsaison hätten die Erwartungen zunichtegemacht. Die Flundern seien in diesem Jahr sehr klein und damit nicht vermarktungsfähig gewesen. Viele Fischer hätten wegen des unrentablen Kosten-Nutzen-Verhältnisses die Plattfisch-Fischerei eingestellt.

Auch die Dorschfänge blieben unter den Erwartungen. Die Dorsche des östlichen Ostseebestandes seien sehr mager gewesen, sagte Schütt.

Da sich die Dieselpreise weiter auf hohem Niveau bewegten, hätten viele Kollegen entschieden, ihre Quote nicht abzufischen. Nach Angaben des Verbandes waren bis Ende September nur rund 11 Prozent der deutschen Quote für den östlichen Ostsee-Dorsch und 46 Prozent der Quote für den westlichen Dorsch abgefischt worden.

Für das kommende Jahr erwartet der Verband eine deutliche Verschlechterung der Erlöse und Fänge. Die EU hat die Quote für den westlichen Ostseehering wieder um 23 Prozent gesenkt. „Das ist dramatisch“, sagte Schütt. Der Hering mache 70 Prozent der Anlandungen und rund 50 Prozent der Erlöse in der Küstenfischerei aus. Zudem rechnet der Verband mit sinkenden Preisen, da die Quote für den Hering in der östlichen Ostsee deutlich angehoben wurde. In diesen Beständen fischen die Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern aber nicht.

Der einst hoch angesehene Küstenberuf verliert für die junge Generation so weiter an Attraktivität. Nachwuchs sei kaum in Sicht, sagte Schütt. Er schätzt, dass allein in diesem Jahr rund 20 Fischer in Rente gegangen sind oder aus finanziellen Gründen den Beruf aufgegeben haben. Ende 2012 gab es in Mecklenburg-Vorpommern 277 Küstenfischer im Haupt- und 138 im Nebenerwerb. 1991 hatte es noch knapp 1000 Küstenfischer gegeben, die hauptberuflich Dorsch und Co. nachgestellt hatten.

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