Familienbetriebe : Im Wettbewerb mit den Großen

Stefan Sudbrock (2.v.l.) mit Sohn Arjen und Frau Diana (l.) und Vater Reinhard Sudbrock mit Frau Sibylle   bewirtschaften den Landwirtschaftsbetrieb  in Groß Wüstenfelde als Familienbetrieb.
Stefan Sudbrock (2.v.l.) mit Sohn Arjen und Frau Diana (l.) und Vater Reinhard Sudbrock mit Frau Sibylle bewirtschaften den Landwirtschaftsbetrieb in Groß Wüstenfelde als Familienbetrieb.

Familienbetriebe in der Landwirtschaft haben es schwer – doch sie sind ein wichtiger Versorger, wie die Vereinten Nationen betonen

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04. Februar 2014, 12:04 Uhr

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2014 zum Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft ausgerufen. Der Blick der Weltöffentlichkeit solle auf die Bedeutung von Bauernfamilien bei der Überwindung von Hunger und Armut gerichtet werden, sagte der UN-Sonderbotschafter und Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner. Doch auch in Deutschland bräuchten die bäuerlichen Familienbetriebe Aufmerksamkeit.

Bundesweit hat sich die Zahl der Agrarbetriebe nach Angaben des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 20 Jahren nahezu halbiert. Vor allem Familienbetriebe gaben ihre Existenz auf.

Im Nordosten wirtschafteten im Jahr 2013 dem Statistischen Landesamt zufolge rund 3000 oder 64 Prozent der 4700 Agrarbetriebe familiengeführt. Die höchste Konzentration an Familienbetrieben im Land gibt es in der Region Teterow südlich von Rostock. „Mit über 100 sind sie gegenüber den ansonsten strukturbestimmenden Agrargesellschaften oder auch -genossenschaften deutlich in der Überzahl“, sagt der Geschäftsführer des regionalen Bauernverbandes, Peter Brandt. Auch bundesweit geht der Trend hin zu immer größeren Betrieben.

Einer der Familienbetriebe ist der Hof Sudbrock in Groß Wüstenfelde (Landkreis Rostock). Reinhard Sudbrock und sein Sohn Stefan haben in ihrem nagelneuen Stall drei Melkautomaten installiert. Wie von Geisterhand wird einer Kuh nach der anderen das Melkgeschirr angelegt. Nach wenigen Minuten löst sich Melkbecher für Melkbecher wieder vom Euter. Entspannt trabt die Kuh zurück in den Stall, um der nächsten Platz zu machen.

„Das ist schon eine tolle Technik. Wir haben hin- und hergerechnet und uns letztlich für diese eine Million Euro teure Investition entschieden, um künftig Zeit und Geld zu sparen. So können wir im Wettbewerb mit den Großen der Branche mithalten“, hofft Juniorchef Stefan Sudbrock. Mit seinem Vater hält der Landwirt 135 Milchkühe samt Nachwuchs. Hinzu kommen 45 Hektar Acker- und Weideland. Ähnlich wie die Sudbrocks wirtschaften mehr als 20 Bauernfamilien in der Gemeinde. Der Grundstein dafür wurde vor gut 80 Jahren gelegt.

Nach der Pleite des Gutes war das Dorf Groß Wüstenfelde Ende der 1920er-Jahre aufgesiedelt worden. Die meisten Bauern kamen aus Süddeutschland, die Sudbrocks folgten später von der Elbe. Mit 15 Hektar, ein paar Kühen und Bullen, Hühnern und Gänsen ging es los.

1961 wurde im Rahmen der SED-Kampagne zur Kollektivierung in der Landwirtschaft eine LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) gegründet. Doch anders als vielerorts in der DDR versorgten die Mitglieder ihre Tiere weiterhin im eigenen Stall. Allein die Felder wurden gemeinschaftlich bestellt. Damit stellten sich die Bauern erfolgreich gegen staatliche Vorgaben. Wie auf einer Perlenschnur reiht sich heute rechts und links der Hauptstraße Bauernhof an Bauernhof.

Das UN-Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft soll helfen, die bäuerliche Produktionsform zu stärken. Weltweit sollen die Kleinbauern Unterstützung erhalten, um die Ernährung in ihren Ländern zu sichern. Dabei sollen sie auf Erfahrungen der europäischen und auch der deutschen Familienbetriebe zurückgreifen können.

Stefan Sudbrock führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Die vierte soll folgen: Der zweijährige Sohn Arjen nutzt schon jede Gelegenheit, um bei Arbeiten im Stall oder auf dem Feld dabei zu sein. „Wenn er den Hof eines Tages tatsächlich übernehmen will, brauchen wir für unsere Betriebsform eine langfristig politisch gesicherte Basis“, so der Appell des 32-jährigen Vaters. Ob groß oder klein, ob Aktiengesellschaft oder Genossenschaft, alle Unternehmen hätten eine Daseinsberechtigung, argumentiert Sudbrock. Er setzt dabei auf die Unterstützung des Bauernverbands mit dessen Eintreten für eine „Einheit der Vielfalt“. Seitens der Politik sei dieses Engagement nicht immer zu erkennen. „Da kommt das UN-Jahr auch für uns vielleicht gerade richtig“, hofft der 32-Jährige.


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