Ihr Platz gerettet - Wirbel um Schleckers Millionen

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04. Juni 2012, 08:05 Uhr

Ehingen/München | Die Schlecker-Insolvenzverwaltung will alle Hebel in Bewegung setzen, um aus dem verbliebenen Vermögen der Familie von Anton Schlecker noch Geld herauszuholen. Die Schlecker-Gründerfamilie besitzt laut "Handelsblatt" noch bis zu 40 Millionen Euro. "Die Insolvenzverwaltung prüft genau, welche Transaktionen nach dem Insolvenzrecht korrekt sind und welche rückgängig gemacht werden können", sagte gestern ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt. Dieses Geld würde in die Insolvenzmasse fließen. Am Freitag beginnt der Ausverkauf bei Schlecker mit hohen Rabatten.

Die zentrale Frage ist, ob und wann Anton Schlecker Teile seines Vermögens an Dritte gegeben hat, etwa an Familienmitglieder. Diese Werte könnten nachträglich eintreibbares Vermögen darstellen, um damit die Gläubiger zu bedienen. Laut Insolvenzverwaltung könne das problemlos bis zu fünf Jahre zurück rückbuchbar sein. Grundsätzlich können die Transaktionen sogar bis zu zehn Jahre zurückverfolgt und beanstandet werden. Kreisen zufolge ist davon auszugehen, dass die Insolvenzverwaltung noch Geld bei der Familie eintreiben kann.

Die Millionen der Schleckers seien zum größten Teil im Besitz der Kinder, bestätigten Ex-Schlecker-Manager dem "Handelsblatt". Die Villa der Familie gehöre der Ehefrau Anton Schleckers, der in der Insolvenz mit seinem Privatvermögen haftet. Sein gesamtes Vermögen - privat und geschäftlich - ist bereits Teil der Insolvenzmasse. Die Frage ist nun, ob da noch mehr zu holen ist - etwa wegen Schenkungen aus der Vergangenheit.

Während 13 200 Schlecker-Mitarbeiter in eine unsichere Zukunft blicken, können etwa 5000 Beschäftigte durch die vom Münchner Investor Dubag geplante Übernahme von IhrPlatz und Schlecker-XL wieder hoffen. Es sollen weder Filialen geschlossen noch Stellen abgebaut werden, sagte Dubag-Chef Michael Schumann gestern in München. IhrPlatz-Insolvenzverwalter Werner Schneider war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die Dubag habe IhrPlatz samt der 490 Filialen bereits gekauft, sagte Schumann. Dazu übernimmt er 342 Schlecker-XL-Märkte. Dem Deal müssen die Gläubiger noch zustimmen, der Gläubigerausschuss habe bereits grünes Licht gegeben, sagte Schumann. Über den Preis machte er keine Angaben. Die Gläubigerversammlung tagt am Dienstag in Ulm, dann wird auch das am Freitag von der größten Gläubigern entschiedene Aus für Schlecker festgeklopft. Die Gewerkschaft Verdi kündigte für die Versammlung Proteste an. Sie fordert Hilfen wie etwa Sonderfonds oder Transfergesellschaften.

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