zur Navigation springen

BUND-Studie : Hormonspritzen im Sauenstall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Studie: Systematischer Einsatz, vor allem in großen Anlagen. Je Tier mindestens zwei Gaben im Jahr.

Schweine im Rausch: Ungeachtet aller Langzeitrisiken für die Umwelt werden in den Zuchtställen in MV seit Jahren systematisch Hormonpräparate bei kerngesunden Schweinen zur Leistungssteigerung eingesetzt. Betroffen sind bis zu 90 000 Zuchtsauen im Land. Den Tieren würden je nach Geburtsfolge mehr als zwei Mal im Jahr Hormone gespritzt, um die Brunst der Sauen zu synchronisieren und die produktionstechnischen Verfahren in den Ställen zu verbessern, erklärte der Präsident der Landestierärztekammer in MV, Rolf Pietschke, gegenüber unserer Zeitung: Die Mittel würden in den Ställen „grundsätzlich eingesetzt“, die Verfahren bereits seit den 70er-Jahren angewandt.

Mit Risiken: Einer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Auftrag gegebenen Studie zufolge, die heute vorgestellt wird, sind die massenweisen Hormongaben vor allem in großen Anlagen gängige Praxis. Die Mittel würden verabreicht, um Betriebsabläufe zu vereinfachen. Durch die Hormone würden die Sauen mehr Nachkommen zur Welt bringen – nahezu gleichzeitig. So ließen sich Kosten sparen. „Das ist industrielle Ferkelproduktion“, kritisierte BUND-Agrarexperte Burkhard Roloff die Hormongaben: Die Produktion werde „auf Kosten der Tiere gesteigert“– und der Umwelt: So würden die Hormone über Ausscheidungen in die Böden und Gewässer gelangen, ohne dass Langzeitwirkungen absehbar seien, erklärte BUND-Landwirtschaftsexpertin Reinhild Benning gestern. Zwar sei der Einsatz von Wachstumshormonen verboten, entsprechende Wirkstoffe würden aber in der Zucht eingesetzt. Auch dürften Tiere nach den Behandlungen in einem bestimmten Zeitraum nicht geschlachtet werden. Es sei aber zu vermuten, dass behandelte Sauen auch während der Sperrzeiten in Schlachthäuser geliefert würden und die Hormone in die Nahrungskette gelangen könnten, sagte Benning und und forderte ein Hormonverbot bei Schweinen. Pietschke wies die Kritik zurück: Die Methode werde seit Jahrzehnten angewandt, Auswirkungen auf die Umwelt seien aber nicht bekannt.

Welche Mengen zum Einsatz kommen, lassen Länder und Bund bislang im Dunkeln. Zugelassen seien 26 Hormonpräparate, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern mit. Mengenangaben könnten nicht gemacht werden – auch nicht im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. „Der gegenseitige Verweis auf die Zuständigkeit ist Verrat am Verbraucher“, meinte Benning. Sie forderte Bund und Länder auf, die in den Stallbüchern erhobenen Daten über den Hormoneinsatz offenzulegen. Zudem müssten Bund und Länder ihrem Kontrollauftrag nachkommen. Benning: „Es fehlen risikoorientierte Kontrollen. Der Staat sieht weg.“

zur Startseite

von
erstellt am 07.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen