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Fantasie-Produkte werden in Holland nachgebaut : Holland baut Euro-Brücken

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Über sieben Brücken musst du gehen, sang einst die DDR-Rockband Karat. Sieben Brücken sind auch auf den Rückseiten der Euro-Scheine abgebildet. Nur dass die bislang nirgendwo begehbar waren.

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erstellt am 04.Jul.2011 | 08:11 Uhr

Spijkenisse | Über sieben Brücken musst du gehen, sang einst die DDR-Rockband Karat. Sieben Brücken sind auch auf den Rückseiten der Euro-Scheine abgebildet. Nur dass die bislang nirgendwo begehbar waren. Sie existierten lediglich auf dem Papier, aus dem die 5- bis 500-Euro-Banknoten gemacht sind. Einem findigen Holländer ist es jetzt zu danken, dass aus der Fiktion Wirklichkeit wird: In einem wasserreichen Vorort von Rotterdam werden sieben Eurobrücken Grachten überspannen. Die ersten zwei sind fast fertig.

Die Idee kam dem Grafikdesigner Robin Stam, als er in einem Restaurant auf die Rechnung wartete. "Ich schaute mir derweil die Eu-ros mal etwas genauer an und fragte mich, wo die Brücken wohl stehen mögen", erzählt der 30-Jährige bei einem Spaziergang durch "Het Land", ein Neubauviertel in seinem Geburtsort Spijkenisse unweit von Rotterdam. Beim Googeln zeigte sich rasch, dass die Geldscheinbrücken das Zusammenwirken der Euroland-Völker symbolisieren sollen, aber nicht real existieren. "Da dachte ich, es wäre ein netter Gag, sie wirklich zu bauen."

Der österreichische Banknotendesigner Robert Kalina hatte 1996 den EU-Wettbewerb für die Gestaltung der Euroscheine auch deshalb gewonnen, weil seine neutralen Entwürfe keinerlei Anlass für Eifersüchteleien zwischen den Mitgliedstaaten boten. Nie hätten die Franzosen hingenommen, dass die Rialtobrücke in Venedig auf den 500-Euro-Schein kommt und die Pariser Brücke Pont Neuf nur auf den 200er. Vielleicht hätten die Deutschen sich in Bescheidenheit geübt und den 20-Euro-Schein für das "Blaue Wunder" akzeptiert, die schöne Elbbrücke in Dresden. Aber die Griechen hätten bestimmt wieder tief in die Trickkiste gegriffen, damit ihre Rio-Andirrio-Brücke über den Golf von Korinth nicht auf den falschen Fuffziger, sondern mindestens auf den grünen Hunderter kommt.

Feierliche Einweihung im September

Wie auch immer, Robin Stam erzählte dem Bürgermeister der 73 000-Seelen-Gemeinde Spijkenisse von seiner Idee. Der war begeistert und gab bei dem jungen Künstler Entwürfe für den Bau aller sieben Geldscheinbrücken in Auftrag. Zwei Fliegen sollten mit einer Klappe geschlagen werden: Das wasserreiche Neubauviertel "Het Land" brauchte sowieso eine Anzahl kleiner Brücken zur Überquerung seiner Grachten. "Zugleich sollen sie eine Attraktion für Touristen werden, die ihr Geld bislang eher in Rotterdam oder Amsterdam ausgeben", sagt Stam.

Feierlich eingeweiht werden die beiden ersten Brücken im September. Sie wurden nach den 10- und 50-Euro-Noten gestaltet, die an die Baustile der Romanik sowie der Renaissance erinnern.

Die fünf anderen Geldbrücken stehen wie die auf den Banknoten für Klassik (5 Euro), Gotik (20), Barock und Rokoko (100), das Industriezeitalter mit seinen Eisen- und Glasbauten (200). Und schließlich die moderne Architektur auf dem 500-Euro-Schein, den die meisten Menschen freilich eher bei Geldübergaben in Fernsehkrimis als im wirklichen Leben zu sehen bekommen.

"In spätestens zwei Jahren", sagt Stam, "wird hier alles fertig sein. Aber was, wenn der Euro bis dahin doch noch baden geht und in Holland wieder mit dem Gulden bezahlt wird? "Dann kommen doch erst recht Touristen. Wo sonst könnte man auf dem herumtrampeln, was vom Euro an Belastbarem übrig geblieben ist?"

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