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Energie für kleine Ohren : Hörakustikerin hilft in Afrika

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehr als 31 Millionen Kinder weltweit sind taub oder schwerhörig, nur fünf Prozent von ihnen gehen zur Schule. Eine Mecklenburgerin versorgt Kinder in Ostafrika seit Jahren mit Hightech-Hörgeräten. So erspart sie den Kleinen den Weg in Armut und Ausgrenzung.

Blossom hörte mit drei Jahren auf zu sprechen. Das heute sechs Jahre alte Mädchen aus Kampala, der Hauptstadt Ugandas, hatte gegen Fieber toxisch wirkendes Chinin bekommen und war davon schwerhörig geworden. Laut WHO gibt es mehr als 31 Millionen hörgeschädigte Kinder weltweit. Höchstens fünf Prozent von ihnen gehen zur Schule.

Blossom hatte Glück. Sie kam in die Uganda School for the Deaf (Gehörlosenschule) und traf dort Heike Nörenberg aus Hagenow, Mecklenburg. Die 49-jährige Hörakustikmeisterin hilft seit fünf Jahren behinderten Schülern in Kampala und Bukoba (Tansania) und versorgt die Patienten mit Hightech-Hörgeräten.

2009 startete die Handwerkerin ihre Entwicklungshilfe. Unterstützt wird sie von der Organisation „Licht für die Welt“ (Wien/Österreich), die Behinderte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa fördert. „Schwerhörigkeit ist eine sehr häufige Behinderung, nur ein äußerst geringer Teil der betroffenen Menschen in Entwicklungsländern hat Zugang zu einem Hörgerät“, sagt Sprecherin Silvia Mayrhofer. Die Systeme seien teuer und ausgebildete Audiologen rar. Das Projekt der Hagenowerin wäre das erste dieser Art in Ostafrika.

Während eines Afrika-Urlaubs kamen ihr die Probleme hörgeschädigter Kinder zu Ohren. Die Gründe für häufige Schwerhörigkeit in Afrika seien vielfältig, sagt Nörenberg. Malaria, Mittelohrentzündungen, die unbehandelt blieben, weil Geld für Antibiotika fehle. Betroffene gingen meist nicht zur Schule, ihr Weg führe direkt in Ausgrenzung und Armut. Hörgeräte seien höchst selten. „Essen und Kleiden stehen obenan in den Entwicklungsländern, Sprechen und Lernen sind vielfach Luxus.“

Vor dem Start ihres Projekts seien entscheidende Fragen zu klären gewesen: Wie kann die Hilfe nach einer Anlaufzeit von Fachkräften vor Ort geleistet werden? Und welche Bedingungen müssen Hörgeräte in Afrika erfüllen, damit die Kinder dauerhaft mit der Technik zurechtkommen? Heike Nörenberg stieß mit ihrem Anliegen bei den afrikanischen Sonderpädagogen auf großes Interesse und konnte die beiden Förderschulen mit ins Boot holen, wie sie erzählt.

So erlebte auch die kleine Blossom mit ihrem neuen Hörgerät Ende 2013 eine echte Überraschung. „Sie hörte zum ersten Mal seit langem ihre eigene Stimme und ahmte sofort Silben nach“, erinnert sich Heike Nörenberg. „Die Versorgung mit einem Hörgerät allein genügt nicht, die Kinder müssen viel üben und professionelles Sprechtraining erhalten.“ In den vergangenen Jahren passte Heike Nörenberg mehr als 200 bedürftigen Kindern in Ostafrika spezielle Hörsysteme an. Die Technik, neue und gebrauchte, werde von Herstellerfirmen gespendet. Sie messe vor Ort den Grad der Schwerhörigkeit der kleinen Patienten per Audiogramm. Die Ohrstücke für die Hörgeräte fertige sie dann individuell aus einem besonderen Kunststoff an, der „atmet“ und trotz des feucht-heißen Klimas Luft ans Ohr lässt.

Genauso wichtig wie das Justieren der kindgerechten Hörsysteme sei die Ausbildung der Audiologen in den beiden Schulen, betont Nörenberg. Seit 2012 besuche sie mindestens einmal im Jahr „ihre“ Kinder in Afrika, passe Dutzende Hörgeräte an, erneuere alte.Und: Die digitalen Hörsysteme benötigen alle zehn Tage neue, leistungsstarke Batterien. Die viele Energie für die kleinen Ohren hat die Hagenowerin stets im Gepäck dabei.

 

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erstellt am 29.Jan.2014 | 07:15 Uhr

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