zur Navigation springen

Investitionen ziehen : Hochbetrieb in den Häfen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die zehn Häfen Mecklenburg-Vorpommerns hoben 2013 so viel Fracht über die Kaikante wie seit fünf Jahren nicht mehr – und sorgten für Zehntausende für Arbeit.

Rostock, Wismar, Sassnitz, Stralsund, Greifswald – nach millionenschweren Investitionsprogrammen sorgen die Häfen in Mecklenburg-Vorpommern für zehntausende Beschäftigte an der Küste und im Binnenland für Arbeit. Rund 5500 Jobs bei 150 Investoren im Rostocker Hafen, mindestens 1000 Arbeitsplätze bei den Holzverarbeitern in Wismar – die Bedeutung des Hafengeschäfts geht längst über das Gelände hinaus. Allein in Rostock seien 12 500 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Hafengeschäft abhängig, ermittelte das Wirtschaftsministerium.


Werftenkrise erreicht Häfen


Kranbauer Liebherr, Windanlagenbauer Nordex, Rohrbauer EEW in Rostock, die in Europa zu den größten Verarbeitern zählenden Holzwerke in Wismar, Stahlbauer in Stralsund, Fischverarbeiter und Offshore-Firmen in Sassnitz: Die Millioneninvestitionen in den Hafenausbau lassen Investoren an der Kaikante anlegen. Allein in Rostock sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten etwa eine halbe Milliarde Euro ausgegeben worden, teilte Rostocks Hafensprecher Christian Hardt gestern mit. Knapp die Hälfte steuerte das Land bei. Und es geht weiter: Für den Ausbau im maritimen Gewerbegebiet seien nachmals 24 Millionen Euro vorgesehen, kündigte das Wirtschaftsministerium an.

Andrang auch im Rostocker Fracht- und Fischereihafen: Neben dem eigenen Hafenbetrieb mit Tiefkühlhaus sind auf dem 52 Hektar großen Gelände außerdem etwa 165 klein- und mittelständische Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen angesiedelt, erklärte Sven Köppen, Prokurist im Rostocker Fracht- und Fischereihafen.

Kreuzfahrt, Fährverkehr, Offshore-Technik, Holzumschlag, Schüttgut: die großen Häfen an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern haben sich ihre Marktanteile gesichert. Dabei hoben die Hafenarbeiter in allen zehn Häfen des Landes im vergangenen Jahr fast wieder so viel Fracht über die Kaikanten wie in den bislang besten Zeiten 2007 und 2008 – mit insgesamt 37,7 Millionen Tonnen wurden 2013 knapp eine Million Tonnen mehr umgeschlagen als ein Jahr zuvor – so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Dennoch: „Die Krise ist noch nicht überwunden“, meinte Sören Jurrat, neuer Vorstandschef des Landesverbandes Hafenwirtschaft (LHMV) und Hafenmanager in Stralsund gestern. „Insgesamt spiegeln die Jahreszahlen 2013 die mäßige wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und Europa wider“, erklärte Ulrich Bauermeister, Geschäftsführer der Hafen-Entwicklungsgesellschaft. Zugelegt haben vor allem Wismar und der Rostocker Fracht- und Fischereihafen. Stralsund und Sassnitz büßten hingegen ein, ermittelte der Hafenverband – bis zu 400 000 Tonnen. Die Werftenkrise in Vorpommern hat indes auch die Häfen erreicht: Die Schwierigkeiten auf der Volkswerft in Stralsund ließen auch den Stahl- und Blechumschlag sinken, erklärte Hafenmanager Jurrat. Die gute Ernte des vergangenen Jahres sorgte hingegen für deutliche Zuwächse im Getreideumschlag – 39 Prozent mehr. Auch der Gips-Export nach Skandinavien floriere.


Alte Hansestädte ziehen Kreuzfahrer an


Dünger, Getreide, Kohle, Stahl, Öl, Maschinen, Anlagen: Neben Fracht- und Fährschiffen sorgen vor allem Kreuzfahrer fürs Geschäft – in Rostock sowieso. Mit 198 Anläufen von 41 Passagierschiffen behauptet sich Warnemünde 2013 das dritte Jahr in Folge als beliebtester deutscher Kreuzfahrthafen. Die Urlaubsdampfer brachten 365 000 Touristen an Land – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach der bundesweit üblichen Zählweise sorgten sie damit für 730 000 Passagierbewegungen.

Auch für dieses Jahr haben sich bereits wieder 34 Kreuzfahrer für 178 Anläufe angemeldet. Wie auch täglich Fährschiffe im Skandinavienverkehr: 1,9 Millionen Passagiere nutzen Rostock. Der Hafen sei das Eingangstor für Gäste aus Skandinavien und damit von zentraler Bedeutung für den größten touristischen Markt der Hansestadt, meinte Rostocks Tourismuschef Matthias Fromm. Zwischen Januar und Oktober 2013 wurden knapp 23500 Übernachtungen schwedischer Gäste gezählt – 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Inzwischen locken aber auch die anderen großen Häfen in MV die Kreuzfahrer. In Wismar soll in diesem Jahr der Stockholmer Pier aufgemöbelt werden. Anmeldungen für 15 Anläufe von Passagierschiffen liegen für dieses Jahr im Hafenbüro vor. „Die alten Hansestädte in Mecklenburg-Vorpommern – das zieht an“, sagte LHMV-Vorstandschef Sören Jurrat. In Wismar oder Stralsund: Die Häfen würden unmittelbar neben den Altstädten liegen. Das überzeuge Reeder. Der Liegeplatz vor dem Ozeaneum in Stralsund sei beispielsweise ständig belegt, meinte Jurrat.

Das füllt die Kassen in den Hafenstädten und darüber hinaus: Allein in Rostock sorgen Kreuzfahrt- und Fährpassagiere jährlich für 71 Millionen Euro Umsatz in der Stadt. Händler, Hoteliers, Gastronomen, Taxifahrer, Dienstleister, Tankstellenbetreiber: Die Seepassagiere bringen zwei von drei Unternehmen zusätzlichen Umsatz, ergab eine Studie des Instituts für Marketing und Dienstleistungsforschung Rostock. Das bringe einen Reputationsgewinn für den ganzen Norden, meinte Institutschef Martin Benkenstein. Mit vielen Dienstleistungen habe sich die Tourismuswirtschaft auf die Kreuzfahrer eingestellt.

Selbst in Stralsund: Die Stadt am Strelasund hat sich in den vergangenen Jahren nahezu unbemerkt zum Ankerplatz für Flusskreuzfahrer entwickelt. Weit mehr als 100 Anläufe wurden im vergangenen Jahr am Strelasund gezählt – die Kreuzfahrer brachten 17 000 Passagiere in die Stadt.

Auch Sassnitz will verstärkt Kreuzfahrer an Land ziehen: Acht Dampfer machten im vergangenen Jahr dort fest. Der östlichste Tiefwasserhafen Deutschlands erwartet mehr: Seit Jahresbeginn versucht ein eigens neu eingestellter Kreuzfahrtmanager die Reeder zu überzeugen. Sieben Anläufe sind für dieses Jahr avisiert.


Basishafen für Offshore-Windparks


Deutschlands Russland-Hafen setzt aber vor allem große Hoffnung in die Energiewende – den Bau von Offshore-Anlagen. Das bringt Arbeit auf die Insel. Der Hafen will Drehkreuz für den Bau von vier Windparks vor Rügen werden. Bereits für den Bau der russischen Gaspipeline nach Europa sorgte der Hafen als Basisstation. Jetzt legt unter anderem der spanische Energiekonzern Iberdrola in Sassnitz an. Der Konzern will 2016 im 34 Quadratkilometer großen Wikinger-Park 30 Kilometer nordöstlich vor Rügen mit dem Aufbau von 80 Offshore-Windkraftanlagen beginnen – Arbeit während der Vormontage der Anlagen an Land, Arbeit bei der späteren Wartung. Iberdrola rechnet mit 100 neuen Jobs.

24 Millionen Euro hatte der Fährhafen in den vergangenen Jahren in den Bau eines Offshore-Terminals mit hochfesten Lagerflächen für schwere Anlagenteile und einen Anlegekai investiert – in ein Offshore-Gewerbegebiet direkt am Wasser – ein nahezu einzigartiger Standort in Deutschland. „Die Ausgangsbedingungen sind gut“, so Hafenchef Harm Sievers: „Offshore-Projekte sichern langfristig Aufträge und Arbeitsplätze am Standort.“ 150 Arbeitsplätze sollen während der Bauphase der Windparks entstehen.

Mittlerweile zählt der einzige Fährhafen Westeuropas, der über Gleise und Umschlaganlagen für die russische Breitspur verfügt, Dutzende Firmen in der Nachbarschaft. Die Fischverarbeitungsfabrik Euro-Baltic, die Hafendienstleister Buss Ports, die Viela Export GmbH sowie mehrere Unternehmen für Eisenbahntransporte nach Russland: etwa 350 Beschäftigte verdienen dort ihr Brot.

 



 


zur Startseite

von
erstellt am 10.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen