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Tarifverhandlung in MV : Heiße Lohnrunde im Norden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Warnstreiks in Schwerin, Güstrow, Grabow – IG Metall verschärft Ton vor zweiter Verhandlung

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2015 | 21:12 Uhr

In MV beginnt eine heiße Tarifrunde: Schwerin, Grabow, Güstrow – mehrere hundert Beschäftigte haben am Dienstag in verschiedenen Unternehmen bei Warnstreiks für den Abschluss von Haustarifverträgen und höhere Löhne demonstriert. Im Grabower Süßwarenwerk legten 200 Mitarbeiter für vier Stunden in einem Warnstreik die Arbeit nieder. „75 Prozent Lohn bei 120 Prozent Arbeitsleistung für Fachpersonal“: Mit Transparenten klagten die Mitarbeiter über schlechte Bezahlung und protestierten gegen die Weigerung des Unternehmens, einen Zeitplan zur schrittweisen Angleichung der Löhne an die Einkommen nach dem Flächentarifvertrag Ost vertraglich festzuschreiben. Nach verschiedenen Lohnrunden in den vergangenen Jahren zahlt das zum niederländischen Gebäckkonzern Continental Bakeries gehörende Unternehmen nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) nur 76,5 Prozent der Tariflöhne, die in den neuen Ländern in der Branche gezahlt werden.

Ausstand auch beim Schweriner Nahverkehr: 100 streikende Busfahrer, Beschäftigte aus der Werkstatt und der Verwaltung ließen gestern Busse und Bahnen stillstehen. Mit dem Ausstand wollte die Gewerkschaft Verdi den Druck auf das Unternehmen erhöhen, in den derzeit laufenden Lohnverhandlungen u. a. spürbare Gehaltserhöhungen für die 210 Mitarbeiter zuzusagen. Der unangekündigte Warnstreik hatte den öffentlichen Berufsverkehr in der Stadt lahmgelegt – mehrere Tausend Fahrgäste waren betroffen.

In Güstrow spitzte sich die Tarifrunde beim Rettungsdienst des DRK-Kreisverbandes zu: dritter Warnstreik seit vergangenem Sommer. Etwa die Hälfte der 90 Rettungsdienst-Mitarbeiter legten gestern die Arbeit nieder und forderten gerechte Löhne und den Abschluss eines Tarifvertrages in Anlehnung an die Vereinbarungen im öffentlichen Dienst. Das DRK lehnte Verhandlungen gestern ab: „Wir schließen es aus, mit Verdi zu verhandeln“, sagt DRK-Sprecherin Manuela Hamann.

Indes drohen in MV in den kommenden Wochen weitere Streiks: Vor der heute beginnenden zweiten Runde für die 140 000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordwestniedersachsen und Schleswig-Holstein verschärfte die IG Metall den Ton: „Wenn uns die Arbeitgeber in Bremen das gleiche Angebot wie in Baden-Württemberg vorlegen, werden wir unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht noch in der Nacht zu Donnerstag mit Warnstreiks reagieren“, kündigte IG Metall-Küste-Bezirksleiter Meinhard Geiken an. Die IG Metall Küste fordert 5,5 Prozent mehr Geld für alle Beschäftigten, mehr Zeit und Geld für Weiterbildung sowie Verbesserungen bei der Altersteilzeit. Die Arbeitgeber wie in Baden-Württemberg hatten bislang 2,2 Prozent angeboten.

Nach der Einführung des Mindestlohns geben sich die Gewerkschaften in der diesjährigen Lohnrunde entschlossen: 2015 wird das Jahr, in dem sich die Lohnspirale spürbar nach oben drehen werde, hatte DGB-Landeschef Uwe Polkaehn angekündigt: „Was gemeinsam erwirtschaftet wurde, muss auch gerecht verteilt werden.“

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