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Experten tagen in Rostock : Heilen mit der Kraft der Natur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

von
erstellt am 10.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Fencheltee bei Magenschmerzen, Pfefferminzbonbons gegen Husten, Baldrianpastillen zur Beruhigung – diese Naturheilmittel stehen in vielen Haushalten im Schrank. Auch für viele andere Beschwerden sind pflanzliche Medikamente immer mehr im Kommen, denn sie haben wenige oder keine Nebenwirkungen. Dr. Ulf Kringel, niedergelassener Hausarzt in Rostock, verschreibt immer häufiger Arzneien, die nicht im Chemielabor entwickelt wurden.

Die pflanzlichen Medikamente haben nur einen Nachteil: Sie müssen von den Patienten selbst bezahlt werden. Zwar verschreibt der Arzt sie. Aber die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. „Die einzige Ausnahme ist das Johanniskraut, das ich für drei Monate einer depressiven Episode auf Kassenkosten verschreiben kann“, erläutert Kringel, der die Naturheilverfahren als spezielle Qualifikation erlernt hat.

Pflanzenwirkstoffe lassen sich für viele Krankheitsbilder anwenden. Die bekanntesten sind Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme, Erkältungskrankheiten oder Beschwerden mit den Gelenken, den Venen oder in den Wechseljahren. „Diese Präparate sind nicht neu, man kennt die Wirkungen der pflanzlichen Inhaltsstoffe schon lange“, weiß der Hausarzt. „Aber die Patienten fragen inzwischen häufiger danach, weil sie eben Nebenwirkungen vermeiden wollen.“ Manchmal schlagen die Patienten auch selbst etwas vor, zum Beispiel den sogenannten Schweden-Bitter, eine Spirituose, die mit Pflanzen wie Myrrhe, Safran, Aloe oder Sennesblättern angereichert ist. Der Trunk soll gegen verschiedenste Beschwerden helfen – medizinisch nachgewiesen ist die Wirkung nicht.

Mit der streng wissenschaftlichen Erforschung pflanzlicher Wirkstoffe befasst sich die Gesellschaft für Phytotherapie, die an diesem Wochenende ihren Jahreskongress erstmals in Rostock abhält. „Es sind etwa 200 Wissenschaftler dabei, aber auch Vertreter von Pharma-Unternehmen, denn die treiben ja die Entwicklung neuer Arzneimittel maßgeblich voran“, sagt Kongresspräsidentin Prof. Karin Kraft, Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Uni-Medizin Rostock. Die Experten tauschen sich über weitere Anwendungsbereiche aus, etwa bei Harnwegs-Infekten, Reizhusten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Wir legen bei den Vorträgen Wert auf Praxisnähe und wollen auch Anregungen für neue Studien gewinnen. Denn die Akzeptanz phyto-therapeutischer Ansätze ist noch verbesserungsbedürftig“, betont Kraft.


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